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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
nicht in solchem Umfange und an solchen Gliedern zu verwenden, dass 
die vergoldeten Theile Metallappliken zu sein scheinen. Mit vollen 
detem Geschmack war in dieser Weise das grosse Himmelbett von 
Cohn, Dämon & Co. in der französischen Abtheilung verziert, die 
überhaupt die zahlreichsten und feinsten Beispiele für diese Verwen 
dung des Goldes bot. 
Wo die Verzierungen eines Möbels vorwiegend Schnitzarbeit sind, 
werden die Reize mannigfaltiger Färbung vor denen des plastischen 
Schmuckes zurückstehen, sobald die eingelegte Arbeit vorwiegt, tritt 
auch das Verlangen nach farbiger Behandlung in seine Rechte. Auch 
für diese sollte die Naturfarbe des braunen oder gelben Holzes den 
Grundton angeben. Analog wie der Naturton der ungebleichten Wolle 
in der orientalischen Teppichweberei das Farbensystem derselben ver 
bindet, sollte auch bei der Holz-Intarsia ein Naturhauch die bunten 
Farben Zusammenhalten, daher die Erzielung abstract reiner Farben, 
wie sie die heutige Chemie an die Hand giebt, nicht das Ziel des Holz 
färbers sein. Nicht immer wird heute diesem Grundsätze gemäss ver 
fahren. Die Franzosen Goekler und Diehl, besonders der letztere, 
boten auffallende Beispiele vom Gegentheil, indem sie Möbel mit ein 
gelegten buntgefärbten Hölzern oder Elfenbein verziert hatten, die mit 
derselben Reinheit ihrer Farben das Hereindringen des Todfeindes har 
monischer Farbenstimmung in den Kunstgewerben, des Anilins, in die 
Holztechnik illustrirten. Auch bei der italienischen Holz - Intarsia 
herrschten die künstlich gefärbten Hölzer, und in diesen ein sichtliches 
Streben nach reinen Farben vor — trotz der herrlichen Vorbilder des 
Cinquecento zu Siena, Florenz, Bologna und anderen Städten, die auch 
diese modernen tarsiatori auf den besten Weg leiten könnten, wie sie 
ihn den intagliatori in legno schon gelehrt haben. 
Die decorativen Hilfstechniken der Möbeltischlerei. 
Wir wenden uns nunmehr zu einer vergleichenden Betrachtung 
der decorativen Hilfstechniken der Möbelindustrie. Unter ihnen ist 
als die dem Holzstile eigenthümlichste zunächst die Schnitzerei zu 
betrachten. , 
Die \ orliebe der Engländer für Ausschmückung ihrer Möbel mit 
den Hilfsmitteln des Intarso weist neben diesem dem Schnitzwerk nur 
einen bescheidenen Platz an. Die wenigen Leistungen, welche hier 
anzuführen wären — wie z. B. die figürlichen Reliefs in den Füllun 
gen des Cabinets von Gillow — lassen eine Behandlung des Holzes 
erkennen, welche dieselbe Bemerkung trifft, wie die Mehrzahl der fei 
nen französischen Holzsculpturen, bei denen die Eigenart des Stoffes 
und seiner technischen Behandlung zumeist durch eine übertrieben 
feine Ueberarbeitung verwischt erscheint. Kommt zu dem Wegscha-
	        
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