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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
ben und Glätten aller Spuren der Stech- und Schnitzwerkzeuge noch 
das Wachsen bis zu einem an Politur streifenden Glanz , so hat das 
Möbel bald vom Holze nichts mehr als die Farbe. Vornehmlich gilt 
dies von den Schnitzwerken in Nussholz, das seiner gleichmässig 
feinen Textur halber weitaus am häufigsten zur Verwendung kommt 
und das grobporige Eichenholz auch hier fast ganz verdrängt hat. 
Mag man jenes äusserste Raffinement bei Meisterstücken, wie deren 
eines das Fourdinois’sche Cabinet aus Nussholz, mit Vergnügen wahr 
nehmen, so lange es wie dort der künstlerischen Zeichnung des über 
reichen Ornamentes, der frei bewegten Schönheit alles Figürlichen 
keinen Abbruch thut, so wird man doch finden, dass bei allen Arbeiten 
von minderem Kunstwerth die geleckte Manier des französischen Holz 
bildhauers allsogleich zu einer Trockenheit und Dürftigkeit führt, 
welche mit der oberflächlichen Eleganz der Behandlung gar unerfreu 
lich contrastirt. Während man den äusserst flach behandelten, ge 
triebenem Eisenrelief vergleichbar nur ganz leicht aus der Fläche auf 
schwellenden Reliefs aus Nussbaumholz und ähnlichen Hölzern oft ein 
kräftigeres Hervortreten, einen lebendigeren Schattenwurf wünschen 
möchte, muss man dieselbe Behandlungsweise beim Ebenholz als stil 
voll anerkennen. Die ausserordentliche Härte dieses Stoffes setzt hier 
einer flotteren Bearbeitung sehr schwer überwindliche Schranken. Ge 
linge Erhebung aus der klache, Abwesenheit der Unterhöhlungen, 
eine erhabene Arbeit, die sich nicht allzuweit von dem Relief des 
Stempelschneiders entfernt, sind hier angezeigt und stimmen zugleich 
gut zu der tiefschwarzen Farbe. Die Schnitzereien in Ebenholz und 
seinem harten Surrogat r- dem schwarzgebeizten Birnbaumholz — 
zeigen in der französischen Abtheilung durchgängig diese richtige 
Behandlung, in der italienischen und deutschen Abtheilüng nicht 
immer: dort ein reichverzierter „stipetto u von Raffaelo Vespignani, 
hier die ornamentalen Füllungen an den Friedrich sehen Pracht 
schreinen lassen sie vermissen. Eine eigenartige stilistisch richtige 
Behandlung des Ebenholzschnitzwerkes bot noch Lanneau in der 
französischen Abtheilung. An einem Ebenholzschrein sah man Lorbeer 
zweige in gelungener Weise koilanaglyphisch dargestellt; bei welcher, 
ägyptischen Obelisken entnommenen Art des Reliefs, das Darzu 
stellende den Umrissen nach vertieft eingeschnitten, innerhalb der ver 
tieften Silhouette aber in ganz flachem Relief das nicht über die 
allgemeine Bildfläche hervortritt — herausgearbeitet wird. 
Mustergiltig in Bezug auf stilvolle Behandlung des Holzes sind 
viele Schnitzarbeiten der Italiener: Luigi Frullini’s Pilasterfüllun 
gen und die Rahmen, Friese und Candelaber am Schrank von Fran 
cesco Morini, reiche Rahmen von Guidi, Lorie Querci, desglei 
chen von Pasquale Leoncini, von Ferdinando Romanelli und 
Anderen.
	        
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