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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 403 
Sehr selten begegnete man dem anderen einfachen Verfahren 
welches das Holz noch ohne Zuhilfenahme von Farbstoffen oder Beizen' 
nur durch das An wenden von Hitze (Anlegen glühender Metallstäbe und 
dergleichen, Autstreuen erhitzten feinen Sandes, Anblasen mit dem Löth- 
rohr) in der Scala seiner natürlichen Farbe bis zum tiefsten Schwarz 
braun verändert. — Als ergänzendes Mittel bei buntfarbiger Intarsia 
scheint diese Technik nicht selten angewandt zu werden. Sehr zu 
wünschen wäre eine häufigere, ungemischte Anwendung dieser hübschen 
und einfachen Technik, die in früheren Jahrhunderten bis in die Zeit 
Ludwig’s XVI. in guter Achtung stand. Mustergiltige Beispiele 
aus der Weltausstellung lassen sich nicht anführen. Am häufigsten 
begegnete man ihren Spuren in der italienischen Abtheilung. Nicht 
übel gebrannt waren zwei kleine Füllungen mit Reiterfiguren von 
Vincenzo Garassini. 
Intarsien von bunt gebeizten oder gefärbten Hölzern waren 
ausserordentlich häufig auf der Ausstellung. Obwohl die Renaissance 
für diese Technik geringe Anhaltspunkte bietet, waren dergleichen 
Arbeiten in den Formen des Cinquecento in der italienischen Abthei 
lung nicht selten; zumeist auf Tischplatten, deren bedeutendste von 
Federico Lancetti und von Salvatore Barni ausgestellt waren, 
beide Arbeiten weniger hervorragend durch stilistisch gelungene Be 
handlung der Fläche, als durch präcise Technik und gefällige Hand 
habung der Farben. 
Als ein Meisterstück der Technik ist hier auch ein von Alessand ro 
Monteneri aus Perugia ausgeführtes Bild in Lignotarsia zu erwähnen. 
Schon auf der Londöner Ausstellung des Jahres 1862 hatte Monte 
neri sich mit zwei ähnlichen Bildern hervorgethan, die ihm von Seiten 
des Municipiums seiner Vaterstadt den Auftrag zu einem kostbaren 
Schrein verschafften, welcher zur Aufbewahrung der italienischen Künigs- 
krone dienen sollte. Diesen im königlichen Palast zu Florenz aufge 
stellten Schrein schmücken allegorische Figuren der Städte Rom, Florenz, 
Venedig und Neapel, Ansichten des Forum romauum, des Palazzo vecchio’ 
von Pompeji und vom Hof des Dogenpalastes, Trophäen von antiken 
und modernen Waffen, Alles auf das Kunstvollste aus farbigen Hölzern 
zusammengesetzt. In ganz derselben Technik hatte Monteneri für 
die Wiener Weltausstellung eine vom Professore Domenico Bruschi 
gezeichnete Darstellung eines Triumphzuges des Kaisers Aurelian 
wiedergegeben. Muss auch die Berechtigung der Lignotarsia, mit den 
freien Künsten in der Schaffung selbstständiger Bilder zu wetteifern, 
bestritten werden, so stand dem Monteneri für seinen tviowfo di Au- 
reliano imperatore doch der Gedanke zur Seite, dieses Bild solle mit 
einer Reihe ähnlicher geschichtlicher Darstellungen in das Wandgetäfel 
eines öffentlichen Saales einer italienischen Stadt eingelassen werden. 
Die Zeichnung Bruschi’s kam hier der Technik des Intarsiatore wenig 
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