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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
ein rohes Prunken mit dem Stoffe zu verirren, hatten jedoch nur We
nige durch Geschmack in der Wahl der Farben und durch Maasshalten
in der Anwendung der Steine zu begegnen gewusst.
Eine discretere Anwendung der Steineinlagen hatten Franzosen
und Engländer gemacht. An dem Lormier’schen Schrank von
Jackson & Graham sah man Buckeln von Carneol und Plättchen von
Lapis lazuli die Mittelfelder der eingelegten Cartouchen bilden. Plat
ten von Lapis lazuli, dunkelgrünem Marmor und tiefrothem Porphyr
füllten schicklich ausgesparte kleine Felder in dem ganz flach gehalte-.
nen Schnitzwerk, mit denen das Fourdinois’sche Oabinet aus Nuss
holz allüberall bedeckt war. Stückchen rothen und grünen Marmors
waren eingelassen in die kleinen Felder an Säulensockeln und Friesen
des Schauschrankes von Gueret freres. Diese und ähnliche Beispiele
scheihen darauf zu deuten, dass der Missbrauch der Incassetirung bun
ter Steine in Holz, welcher sich bei den Parisern auf der vorigen
Weltausstellung aufdringlich bemerkbar machte, im Schwinden ist.
Von den Versuchen, Malereien zum Schmucke des Holzmobiliars
anzubringen, ist nicht viel Erfreuliches zu berichten. Nicht selten be
gegnete man ihnen iii der österreichischen Abtheilung, ohne dass irgend
einem Aussteller darob Rühmliches nachzusagen wäre. Sowohl an dem
Cabinet von Schönthaler, wie an dem originell gebauten grossen
Arbeitstisch von M. Albert & Sohn in Wien trat der Mangel jeder
decorativen Vermittelung der schwebenden Figuren, welche auf die
Thürfüllungen gemalt waren , mit der sonstigen Decoration des Möbels
hart und störend zu Tage. Nicht Besseres ist von dem dreithürigen
Schrank Salvatore’s in der italienischen Abtheilung zu berichten,
dessen hübscher Aufbau im Stil eines Wandgrabmales der Früh-
renaissance auf das Kläglichste disharmonirte mit den Darstellungen
aus dem Familienleben im „Hühnerhofe“, die im allermodernsten
Genre mit Oelfarbe auf die Thüren gemalt waren. Der bunten und
harten Malerei an der Credenz von Cooper & Holt ist schon Erwäh
nung geschehen. In ihrer decorativen. Wirkung sehr glücklich waren
die Malereien in den Füllungen eines Palisanderholzmöbels von Collin-
son & Locke, welches, zur Schaustellung schöner Gelasse bestimmt,
in zweckmässiger Weise einen schrankförmigen Kern mit etagerenartigen
Anbauten vereinigte. Schicklich angebrachte Vergoldung markirte die
feineren Glieder, insbesondere an den gedrechselten Etagerenstützen.
Auf den mattgoldenen Grund der Füllungen waren in einer skizzen
haft leichten Manier mit brauner Lasurfarbe, der das durchschimmernde
Gold eine eigene Wärme lieh, figürliche Darstellungen allegorischen
Inhalts gemalt.