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Gruppe VIII. Holz-Industrie.
Füsse herab - Mit demselben Stoff ist der ausschliesslich aus Pol
stern und Kissen zusammengesetzte Divan bezogen: niedriger sehr
tiefer Sitz, von dem vorn und an den Seiten die Fransen bis auf den
Boden herabhängen, hinten an der Wand fünf grosse Kissen von
quadratischer Form, davor eine Rückenrolle in der ganzen Breite
jederseits grosse und schwere Rollenpolster als Lehnen. Alles bequem’
und gediegen, doch stimmt das Roth des Tischbezuges schlecht zu dem
Roth der Polster, deren Stoff mit dem breiten Streifenmuster auch
nicht glücklich an ähnliche westeuropäische Muster erinnert.
Vollendete Harmonie in allen Stücken, dft zur Einrichtung eines
Speisezimmers gehören, überraschte gleich beim ersten Blick in das
nachsthegende Gemach. Den Grundton der Farbenstimmung bildet
das warme Braun des gebeizten Eichenholzes, aus dem die Möbel, die
huren mit ihrer Umrahmung und die mit den Wänden fest verbun
denen Borter gearbeitet sind. Ein gleichmässig dunkelrother Tepfich
uberzieht den Boden. Kacheln mit blauweisser Glasur bedecken die
Vande - allerdings nicht in natura, sondern mit Rücksicht auf das
rovisorische der Anlage nur als Tapetenmuster. Von der Balkendecke
herab hängt über der Mitte des Tisches ein vielarmiger Kronleuchter
aus weissem Metall. Der mächtige Kachelofen in der Ecke mit dem
kaminartig erweiterten Feuerloch zeigt auf zartgrauem Grunde vertieft
umnssenes leicht erhabenes Flachornament in wenigen kräftigen Far-
ben. Auf der entgegengesetzten Schmalseite des Saales steht'zwischen
zwei I hüren das grosse Büffet mit hohem, schrankförmigem Aufsatz
ans dem Silbergerath hervorglänzt. Ueber den Thürstürzen Böfter
auf denen bnntglasirte Schüsseln mit der Fläche nach vorn geneigt
an wagerechten Stäben lehnen. Sämmtliche Holzmöbel sind Meister
stücke folgerichtiger Construction. Die Sessel ähnlich denen des
Empfangssaales, doch mit niedriger Lehne und braunem, mit versilber
ten Knöpfen angeheftetem Lederbezug. Auch der Tisch gleicht dem
beschriebenen, doch ist seine Platte ganz aus Holz. Das schrankförmige
Buffet zeigt energische Formen. Vor den Lisenen zwischen Sockel
und Kranz starke candelaberförmige Bindeglieder, deren Profil die
formgebende Wirkung der Drehbank zur Schau trägt; die grösseren
(Dieder dieser Candelaber sind mit vertieften bald senkrechten, bald
schräglaufenden Canneluren, die schmäleren mit wagerechten Rillen
verziert: einfache aus der Natur des Holzes entwickelte Motive, die
durch kräftigen scharfen Schattenwurf sehr belebend wirken. Dem
entsprechend kräftig ist auch das Gesims gebildet. Ueber die .Rah
men der Thüren verästeln sich breite versilberte Angelbänder, ähn
lich wie wir an den gothischen Schränken diese Theile behandelt
sehen. Die Füllung der Thüren besteht aus Glas; durch gut entwickel
tes Sprossenwerk ist das allzu Moderne dieses Stoffes bezwungen.
Noch interessanter als dieses Zimmer war das anstossende Schlaf-