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Gruppe VIII. Holz - Industrie.
Leistungen durchschnittlich nicht über das Niveau derjenigen, welche
von den Weltausstellungen der Jahre 1862 und 1867 in gutem Anden
ken stehen.
Unter den Gebrauchsmöbeln verdienen eingehende Erwähnung die
Erzeugnisse der Chiavareser Stuhlfabrikation. Von denselben
führten sieben Aussteller eine beträchtliche Auswahl vor, welche einer
bedeutenden Wirkung nicht ermangelt hätte, wäre sie nicht in einem
Winkelchen einer sonst nur von kostbaren Luxusmöbeln besetzten Gallerie
auf ein andergestapelt, zum Theil gar hoch über dem Erdboden an den
Wänden aufgehängt gewesen. Ueber die Entstehung und den Umfang
dieser eigenartigen Möbelindustrie der Riviera von Chiavari giebt ein
von G. B. Brignardello verfasstes Schriftchen : „Giuseppe Gaetano
Descälsi detto Campanino, e l’arte delle sedie di Chiavari. Firenze,
tipi Cellini, 1870“ nähere Mittheilungen J ). Nach diesem Gewährs
mann liegt der typischen Form des leichten Chiavareser Sessels „ alla
Campanina“ mit seinen aus einem Stück gedreheten, leicht geschwun
genen Hinterstollen, den sehr leichten gedrechselten Vorderstollen und
Striegeln und der aus Rohr geflochtenen Sitzfläche keineswegs eine
nationale Reminiscenz, sondern ein Pariser Modell zu Grunde, welches
im Jahre 1807 dem Begründer der Industrie, Giuseppe Gaetano
Descalsi detto Campanino 2 ) zu Händen kam. Welcher Art die
wesentlichen Aenderungen waren, welche Descalsi nach Brignar-
dello’s Behauptung mit diesem Modell vornahm, ist nicht ersichtlich.
Es scheint, dass sie darin bestanden, den Stuhl leichter, graciöser zu
gestalten. Weitere Umgestaltungen, welche Brignardello den Nach
kommen und Verwandten des Genannten, den Giacomo Descalsi und
Giov.Batta. Canepa, zu Gute rechnet, verdienen, wie wir später sehen
werden, dieses Lob nur in sehr beschränktem Maasse.
Aus der Werkstatt Giuseppe Gaetano Descalsi’s ist im Laufe
des Jahrhunderts eine Industrie erwachsen, in welcher im Jahre 1870
bereits 24 Fabriken thätig waren. Von diesen beschäftigten 12, welche
die feineren Sorten erzeugen, zusammen 150 Arbeiter beiderlei Ge
schlechts und 60 Bauern, welche die zu verarbeitenden Hölzer im Gebirge
!) Anerkennend sei hier erwähnt, dass, abgesehen von den ausgezeich
neten Einleitungen des schwedischen und deutschen Specialkataloges zu dem
Namensverzeichniss der Aussteller der VIII. Gruppe, Italien das einzige
Land war, welches dem ursprünglichen Programm für diese Gruppe treu
geblieben war, indem es in derselben eine besondere Abtheilung „Statistica
della produzione“ beibehalten hatte, in welcher als Ausstellungsobjecte die
schon erwähnte Storia della scultura e tarsia in legno des Grafen Finocchietti
und obiges Schriftchen Brignardello’s figurirten, welches letztere übrigens
nicht zur Ausgabe gelangte, so dass ich für meine Auszüge aus demselben
der Relazione des Grafen Finocchietti zu Dank verpflichtet bin.
2 ) Finoechie11i schreibt stets Descalsi, der Catalogo generale degli
espositüri italiani „Descalzi“.