MAK

Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

420 
Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
Leistungen durchschnittlich nicht über das Niveau derjenigen, welche 
von den Weltausstellungen der Jahre 1862 und 1867 in gutem Anden 
ken stehen. 
Unter den Gebrauchsmöbeln verdienen eingehende Erwähnung die 
Erzeugnisse der Chiavareser Stuhlfabrikation. Von denselben 
führten sieben Aussteller eine beträchtliche Auswahl vor, welche einer 
bedeutenden Wirkung nicht ermangelt hätte, wäre sie nicht in einem 
Winkelchen einer sonst nur von kostbaren Luxusmöbeln besetzten Gallerie 
auf ein andergestapelt, zum Theil gar hoch über dem Erdboden an den 
Wänden aufgehängt gewesen. Ueber die Entstehung und den Umfang 
dieser eigenartigen Möbelindustrie der Riviera von Chiavari giebt ein 
von G. B. Brignardello verfasstes Schriftchen : „Giuseppe Gaetano 
Descälsi detto Campanino, e l’arte delle sedie di Chiavari. Firenze, 
tipi Cellini, 1870“ nähere Mittheilungen J ). Nach diesem Gewährs 
mann liegt der typischen Form des leichten Chiavareser Sessels „ alla 
Campanina“ mit seinen aus einem Stück gedreheten, leicht geschwun 
genen Hinterstollen, den sehr leichten gedrechselten Vorderstollen und 
Striegeln und der aus Rohr geflochtenen Sitzfläche keineswegs eine 
nationale Reminiscenz, sondern ein Pariser Modell zu Grunde, welches 
im Jahre 1807 dem Begründer der Industrie, Giuseppe Gaetano 
Descalsi detto Campanino 2 ) zu Händen kam. Welcher Art die 
wesentlichen Aenderungen waren, welche Descalsi nach Brignar- 
dello’s Behauptung mit diesem Modell vornahm, ist nicht ersichtlich. 
Es scheint, dass sie darin bestanden, den Stuhl leichter, graciöser zu 
gestalten. Weitere Umgestaltungen, welche Brignardello den Nach 
kommen und Verwandten des Genannten, den Giacomo Descalsi und 
Giov.Batta. Canepa, zu Gute rechnet, verdienen, wie wir später sehen 
werden, dieses Lob nur in sehr beschränktem Maasse. 
Aus der Werkstatt Giuseppe Gaetano Descalsi’s ist im Laufe 
des Jahrhunderts eine Industrie erwachsen, in welcher im Jahre 1870 
bereits 24 Fabriken thätig waren. Von diesen beschäftigten 12, welche 
die feineren Sorten erzeugen, zusammen 150 Arbeiter beiderlei Ge 
schlechts und 60 Bauern, welche die zu verarbeitenden Hölzer im Gebirge 
!) Anerkennend sei hier erwähnt, dass, abgesehen von den ausgezeich 
neten Einleitungen des schwedischen und deutschen Specialkataloges zu dem 
Namensverzeichniss der Aussteller der VIII. Gruppe, Italien das einzige 
Land war, welches dem ursprünglichen Programm für diese Gruppe treu 
geblieben war, indem es in derselben eine besondere Abtheilung „Statistica 
della produzione“ beibehalten hatte, in welcher als Ausstellungsobjecte die 
schon erwähnte Storia della scultura e tarsia in legno des Grafen Finocchietti 
und obiges Schriftchen Brignardello’s figurirten, welches letztere übrigens 
nicht zur Ausgabe gelangte, so dass ich für meine Auszüge aus demselben 
der Relazione des Grafen Finocchietti zu Dank verpflichtet bin. 
2 ) Finoechie11i schreibt stets Descalsi, der Catalogo generale degli 
espositüri italiani „Descalzi“.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.