421
I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
vorrichten. Diese 12 Fabriken produciren alljährlich über 25 000 Ses
sel im Werthe von 175 000 Lire bei einem Durchschnittspreise von 7
Lire. Der Werth der verarbeiteten Rohstoffe wird auf 75 000, der
gezahlte Arbeitslohn auf 50 000 Lire angegeben, wobei jedoch zu be
denken ist, dass die Unternehmer bei der Kleinheit jedes einzelnen
Betriebes fast ausnahmslos nicht aufgehört haben, selbst in der Werk
statt mitzuarbeiten. Weitere 12 Fabriken erzeugen ausschliesslich
gewöhnliche Sessel zum Durchschnittspreise von 2 Lire 20 Centesimi
(etwa 16 Gr.) das Stück. Sie verarbeiten für 36 000 Lire Rohstoffe
mit 120 Arbeitern, welche zusammen im Jahre 18 000 Lire verdienen,
zu 45 000 Sesseln im Werthe von 99 000 Lire. Das Flechten der
Sitze fällt den Frauen zu, welche das Stück durchschnittlich mit einer
Lire bezahlt erhalten.
Ausser den 24 Fabriken in Chiavari bestehen deren vier für ge
wöhnliche, eine für feine Sessel in Lavagno, auch etliche in Savona und
Rapallo, über deren Production mir keine Daten zu Gebote stehen. Wie
gering aber die Leistungsfähigkeit selbst der grösseren dieser Fabriken
ist, erhellt daraus, dass diejenige des Giacomo Canepa fu Giov.
Battista, welche allein nahezu den achten Theil der gesammten Chia-
vareser Production beschafft, nur 15 männliche und 9 weibliche Arbeiter
in der Fabrik selbst, ausserdem 4 Männer und 5 Frauen ausserhalb
derselben beschäftigt. Giacomo Descalsi detto Campaninoe
figlio, der nächste in der Reihe, beschäftigt 9 Männer und 2 Frauen
im Hause, 5 Männer und 10 Frauen ausser demselben. Diese Zahlen
mögen erklären, wie wenig die Chiavareser Fabrikation im Stande ist,
den Anforderungen des Handels zu genügen, wenn es einmal gilt, eine
grössere Anzahl Sessel in bestimmter Frist zu liefern. Gerade hierin
liegt der Grund, warum selbst auf dem italienischen Markte die billi
gen Sitzmöbel der Chiavareser neben den aus Oesterreich massenhaft
eingeführten Möbeln aus gebogenem Holze nicht bestehen können.
Was die Th onet’schen Fabriken für den Weltmarkt so ausserordentlich
leistungsfähig macht, ist, neben der entwickelteren Arbeitstheilung und
Maschinenarbeit, die weise Beschränkung auf einen oder wenige Typen.
Die Chiavareser haben ihrer Industrie wenig gedient, indem sie eine
ausserordentliche Mannigfaltigkeit der Formen anstrebten und dem
alten gefälligen Typus „alla Campanina“ allerlei missverstandenes Zeug
in Spitzbogenstil, Rococogeschnörkel, national-russischem Bauernstil
und einem neuen sogenannten Stile italiano anhängten. Der Form
nach sind ihre billigsten Sorten keineswegs die schlechteren, für den
Export aber sind sie weitaus die wichtigsten, falls es den Chiavaresen
gelingt, ihren Betrieb leistungsfähiger zu gestalten. Dazu wäre eine
grössere Concentration desselben erforderlich, die ja die Ueberlassung
einzelner Theile der Arbeit, wie das Flechten der Sitze, an die Haus
industrie darum nicht aufzugeben brauchte. Was die Entwickelung