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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
imitirten; das Ganze ohne Rücksicht auf bequemen Gebrauch entworfen,
dem die vielen scharfen Ecken und Kanten der weit vorgekropften Ge
simse bis zu dem Maasse hinderlich waren, dass die beiden Bettladen
nur auf einen halben Fuss Abstand aneinandergeschoben werden konn
ten Bertolotti hatte an seinen Mahagonibettladen durch Unterlegung
von Metallfolien unter durchbrochen geschnitztes Ornament einen neuen
aber sehr harten und durchaus nicht nachahmenswerthen Eflect zu
^ 6g Etwa^ zahlreicher waren die mailändischen „Ebanisti“ in Wien
erschienen, welche in ihren 30 Werkstätten gegen 480 erwachsene und
60 iugendliche Arbeiter bei einem Tagelohn von 2 Lire 50 Centesimi
bis 5 Lire, bez. 50 Centesimi bis 1 Lire, und 30 Holzschnitzer und
Marquetteriearbeiter zum Tagelohn von 6 bis 10 Lire beschäftigen.
Auch diese Ebanisti rechtfertigten nicht den Ruf, der ihnen von trübe
ren Weltausstellungen voraufgegangen war. Von ihnen auf einen
Rückgang der Mailänder Kunstmöbelfabrikation zu schhessen, durfte
aber um so weniger gerechtfertigt sein, als dieses Mal Firmen fern
gehlieben waren, welche, wie Brambilla & Antom, im Jahre 1867^
an erster Stelle glänzten.
Diese „ Ebanisti “ hatten in grösserer Zahl Ebenholzmobel. mit
gravirten Elfenbeineinlagen ausgestellt. Ferdinando Pogliani
einen umfangreichen Phantasieschrank; Carlo Corbetta einen ac -
eckigen Tisch mit grossen, ungeschickt angebrachten Künstlerportrai s;
SerafinoMotta einen Schreibtisch mit vergoldeten Bronzeornamenten;
Leonardo Gaggia ein grosses, gut aufgebauetes Cabinet, an wel
chem die Schildpattfourniere eben so wenig mit dem Ebenholz-Elfenbein
harmonirten, wie Raphael’s „Galathea“ auf der Mittelthür mit den
romantischen Elfenbeinstatuetten Faust’s und Margarethens in den seit
lichen Nischen. Die Erzeugnisse dieser und anderer Milaneser kön
nen sämmtlich mehr oder minder als Belege für dasjenige gelten was
oben über die ungenügende Schulung der italienischen Elfenbein-Eben-
holz-Intarsiatoren und über die missliche Verquickung ihres Gewerbes
mit dem Antiquitätenhandel bemerkt worden ist. _ .
Nicht Besseres ist von denen zu melden, welche incassettirte Steine
als Schmuck verwendet hatten. Gaetano Scotti’s Schreibtisch zeigte
viel zu harte Gegensätze lebhaft bunter Farben, Mauro Mauprivez
ein Salonmöbel, dessen gefälliger Gesammteindruck von den Mangeln
der Ausführung beeinträchtigt wurde.
Die Mailänder Billardfabrikation, die bedeutendste des König
reichs, war durch Antonio Luraschi gut vertreten, der die ihm in
Paris und London gewordene Auszeichnung auch in Wien behauptete.
Mit 30 Arbeitern im Hause und 13 ausserhalb desselben ist sein Eta
blissement das leistungsfähigste der drei mailändischen dieser Spe-
cialität.