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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
Anerkennung. Dasselbe gilt von der Figur eines kleinen Mädchens, 
welche in raschem Laufe plötzlich innehaltend ihr Tambourin wagerecht 
über den Kopf hält, damit man leichte Sächelchen, Karten oder der 
gleichen darauf niederlegen könne. Diese und ähnliche Arbeiten, in 
welchen Besarel keinen Nebenbuhler im weiten Bereich des Aus 
stellungspalastes fand, brachten ihm eines der drei Ehrendiplome ein, 
welche Italien in der VIII. Gruppe errang. Der Geschäftsbetrieb der 
Besarel ist mit 25 Arbeitern im Hause und 4 ausserhalb desselben 
ein für italienische Verhältnisse beträchtlicher, so weit diese sich nach 
den für die Jury gemachten Angaben bemessen lassen. 
Von den übrigen Venetianern ist wenig zu berichten. Michel 
angelo Guggenheim, ein Händler, bot mehrere Möbeln von jener 
mit Rollwerk und fratzenhaften Ungeheuern überladenen barocken Art, 
welche wegen ihrer oberflächlich imponirenden Wirkung bei verhält- 
nissmässig wohlfeilen Preisen noch immer auf Absatz rechnen dürfen 
und neuerdings auch diesseits der Alpen nicht ungeschickte Nachahmer 
gefunden haben. Als Material wird Zirbelholz verwendet, dem dunkele 
Beize und Firniss die Farbe und jenen eigenartigen Glanz ersetzen 
sollen, welchen ältere, aus Nussholz geschnitzte Möbel der Zeit und dem 
oft wiederholten Einreiben mit Wachs verdanken. Für die besseren 
Stücke dieser Gattung wird übrigens auch heute Nussholz verarbeitet. 
Von Elfenbein-Ebenholz-Intarsien und Möbeln mit incassettirten Steinen 
führte Guggenheim nur wenig bedeutende Stücke vor. 
Eine in Wien sonst nicht vertretene Specialität in rein antiquari 
scher Auffassung zeigte der von dem Venetianer Demetrio Pup- 
polin verfertigte Commodensehrank, auf dessen Füllungen figürliche 
Scenen in gar unbeholfener Zeichnung zu sehen waren. Dies Möbel 
war mit Nussholz fournirt, die Figuren eingelegt, mit elfenbeinernen 
Köpfen und Gliedmaassen und hölzerner, durch Brennen schattirter Ge 
wandung; eine nicht sehr nachahmenswürdige Technik, da die vom 
Grunde scharf abstechenden Elfenbeinstücke, weil ihr Vorkommen von 
keinem Gesetze der Vertheilung im Raum geregelt, sondern nur von 
den Zufälligkeiten der Darstellung abhängig, die Flächen unruhig ge 
fleckt erscheinen lassen. 
Weit besser war dem Istituto Manin, welches junge Leute für 
allerhand nützliche Gewerbe ausbildet, die Nachahmung von Möbeln 
derselben Zeit gelungen. Dieselben waren mit Nussholz gut fournirt, 
in welches man mehrfach neben einander laufende Linien aus Elfenbein 
und lichtem Holz eingelegt hatte, welche rechtwinklig die Rahmen um 
säumten oder in den einfachen Linienverschlingungen ähnlicher Arbei 
ten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Flächen gefällig glie 
derten. 
Den Venetianern ist Antonio Camuffo aus Chioggia anzureihen, 
der auf einer grossen Intarsiaplatte den Schutzpatron der Lagunenstadt
	        
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