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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
in reicher Groteskumrahmung dargestellt hatte — eine Wiedergabe 
einer der Füllungen des Wandgetäfels in San Marco zu Venedig, die 
in gediegener Technik und gut gestimmter Farbe (das Gewand des 
Heiligen zeigte ein tiefes Roth, das sich dein Grundton des Holzes ein 
fügte, die Ornamente waren licht auf dunkelem Grunde) dem Originale 
erfolgreich nachstrebte und nur den Fehler hatte, sieh nicht als das zu 
geben was es war, als Copie. In gleicher Technik hatte sich Fortu- 
nato Gianni aus Palestrina im Venetianischen mit vier die Evange 
listen darstellenden Tafeln versucht. Ihnen reiht sich Vincenzo Ga- 
rassini aus Savona mit seinen bereits erwähnten Intarsiaplatten an, 
deren eine den Principe Tommaso di Savoia, die andere den Principe 
Amadeo darstellte; beide Stücke lehrreich wegen der sauberen Anwen 
dung der heute fast vergessenen Brenntechnik, die dem Holze durch 
oberflächliche Verkohlung in zartesten Abstufungen Schatten anhaucht. 
Eine vereinzelte Stellung nahm Pasquale Carrara aus Bergamo 
mit einem bescheidenen Versuche in der hübschen alten, als „älla cer- 
tosina“ bezeichneten Technik ein. Das Wesentliche der letzteren be 
steht darin, dass in massive Platten von Nussbaum, Palisander oder 
einer anderen dunkelfarbigen Holzart feine Ornamente eingelegt wer 
den : Ranken, deren Stengel ans lichtem Holze, deren Blüthen aus man 
nigfach strahlig geordneten sehr kleinen, länglich dreieckigen oder 
rhombischen Elfenbein- oder Perlmutterstücken bestehen und mit geo 
metrischen, concentrisch oder bandartig geordneten Mustern eben sol 
cher Stückchen abwechseln. Ihren italienischen Namen leitet diese 
Technik von der Certosa bei Pavia ab, welche ein so geschmücktes 
Mobiliar besitzen soll. Das nicht eben seltene Vorkommen von Möbeln, 
Tischen, Stühlen oder Truhen „alla certosina“ im Antiquitätenhandel 
lässt darauf schliessen, dass Carrara nicht als Einziger ihre Herstel 
lung betreibt. 
Von den 16 Möbelfabriken der Stadt Turin, welche der Katalog 
verzeichnete, war nur eine in Wien erschienen, die der Gebrüder 
Levera. Dieselben boten einen Ebenholzschrank von gutem Aufbau, 
der durch seine gewundenen, freistehenden Säulen auffiel, im Ornament 
aber unrein behandelt war. Bei der Parquettenfabrikation werden wir 
wichtigerer Leistungen dieser Firma zu gedenken haben. 
In geschlossenen Reihen hatten die toscanischen Intagliatoren 
die Weltausstellung beschickt. Sie boten in der Gesammtheit ihrer 
Leistungen ein glänzendes Bild der Blüthe, zu welcher sich die Holz 
schnitzkunst in Italien aufgeschwungen hat, seitdem Meister der Sie- 
neser Schule zu Anfang der dreissiger Jahre nach Florenz überzu 
siedeln begannen. Zu Anfang des Jahrhunderts war, wie in Venedig, 
Perugia, Brescia und anderen Städten Italiens, in Siena die Freude an 
der Schönheit der alten Holzarbeiten des Barile, des Damiano da
	        
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