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Gruppe VIII. Holz-Industrie.
Was Frullini sonst noch an Schränken und Stühlen gebracht
hatte, könnte uns. zu ähnlichem Lob und Tadel, wie das Vorbesprochene,
Stoff geben. Wir erwähnen daher nur noch, dass auch der phantastische
Schauschrank für die Tabacke der Begia Itäliam mit seinen hochauf-
gerichteten langbeinigen Chimären, die ein für den Bronzeguss entwor
fenes landläufiges Modell des Franzosen Fiat in Holz nachahmten, aus
der Werkstatt Frullini’s hervorgegangen, und wenden uns zu den
anderen Florentinern, über die wir uns kürzer fassen können, weil wir
es hier mit Genossen einer Schule zu thun haben, welche sich im
Guten wie im Schlechten weniger durch Qualität als Quantität von ein
ander unterscheiden.
Francesco Morini, ein Neuling auf den Weltausstellungen, hatte
Rahmen, Cassetten und als Hauptstück einen prachtvollen grossen
Schrank geliefert, in dessen Bau er über das gewöhnliche dem Wand-
getafel entnommene Schema hinauszugehen versucht hatte — mit ent
schiedenem Missgeschick, da für seine Anordnung völlig freistehender
Candelaber an den vorderen Ecken auch nicht einmal der Schein einer
inneren Berechtigung spricht. Morini hat diese Candelaber auf
massive Sockel von rechteckiger Grundform gestellt, welche aus den
\ orderkanten des Schrankes so vortreten, dass ihre Seitenflächen mit
® den Seitenflächen des Schrankes einen Winkel von
, Grad , b, d “- Dem ^sprechend war er genöthigt worden, auch
oben aus dem Kranzgesims ein massives Stück von der Grundform des
Sockels über das Capitäl des Candelabers vorspringen zu lassen Die
schlimmste Folge aber war die NothWendigkeit, nunmehr dem Eck-
pilaster des Schrankes drei Flächen zu geben, entsprechend dreien
Seiten eines sechsseitigen Prismas. Abgesehen von dieser durch Nichts
motivirten Zu hat entsprach der Schrank dem gewöhnlichen Schema,
nur mit dem Unterschiede, dass m Folge seiner grossen Breite zwischen
den beiden Glasthüren anstatt einer Schlagleiste ein fester Pilaster an
gebracht war Die Bekrönung war noch unvollendet. Die zahlreichen
hlachen, welche Morini der geschilderten Anordnung verdankte: die
breiten Rechtecke vorn am Sockel des Schrankes, die überhöheten Recht
ecke an den Candelabersockeln, die Pilasterfelder, den mehrfach gebro
chenen h ries hatte er auf eben so mannigfaltige wie im Einzelnen ge
schmackvolle Art mit Reliefornamenten geschmückt, bei denen er im
lgemeinen dem Stil der Frührenaissance folgte, in den Füllungen des
Sockels aber mit dem Roll werk Motive der beginnenden Barocke einmischte
Von hervorragender Schönheit waren die reichgegliederten Candelaber'
welche von quadratischer Grundform in mehrfachen Abstufungen auf-
stmgend oben mem schlankes, wenn nicht mager zu nennendes baluster-
formiges Glied endigten, das mit einem weitausladenden Capitäl abschloss.
An diesen Candelabern gab es wieder Flächen von neuen Formen • trapez-
iorimge und geschwungene, endlich liess sich an ihnen völlig rund gear-