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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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1. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
beiteter Zierrath anbringen: Mascarons, Festons, wappenhaltende Put 
ten. So köstlich das alles auch ausgeführt, fragt es sich doch, ob ein 
so massives grosses Möbel wie dieser Schrank nicht wuchtigere, derber 
behandelte Zierformen verlangte als die von Morini angebrachten, die 
an einem Cabinette besser am Platze wären. — Egisto Gajani bot meh 
rere hübsche Rahmen, auch von ovaler Form, deren einer in den Besitz des 
deutschen Gewerbemuseums übergegangen ist. Als ein eigenartiges 
Stück von seiner Hand ist der Rahmen eines Spiegels zu erwähnen, wel 
cher in der Hauptgallerie neben den Majoliken Girori’s hing. Die Lmrak- 
mung ist völlig aufgelöst in durchbrochen gearbeitete Acanthusranken 
im Stil des 17. Jahrhunderts; denselben entwächst jederseits eine schlanke 
Frauengestalt, die mit vorgebeugtem Leib Brust und Antlitz spie 
gelt ein im 17. Jahrhundert bisweilen mit Humor benutztes Motiv. 
Unter Pasquale Leoncini’s Arbeiten zeichnete sich ein Nussholz 
rahmen von eigenartiger Schönheit aus. — Ferdinande Rom an eil o 
bot eine Auswahl kleiner Rahmen, Cassetten, kleineres Holzgerath, 
einen einfachen guten Bücherschrank, Portraitreliefs (darunter das 
des Freiherrn von Schwarz-Senborn). Auch war von ihm ein se r 
sauber geschnitzter Buchdeckel mit dem österreichischen Wappen zu 
sehen, vom Besteller für den Kaiser bestimmt. — Telemaco de ch amps 
zeigte Rahmen, darunter einen grossem aus weissem Holze mit Meer 
pferden und Acanthuswerk im Barockstil; Rinaldo Barbetti ein in 
Nussholz geschnitztes Hochrelief: Bacchus mit Ariadnen; Sem lorelli 
einen Ebenholzschrank mit guter Schnitzarbeit und einem von er 
gewöhnlichen Form abweichenden Aufbau, dessen Glasthüren mR ge 
ätzten Ornamenten und Sprüchen verziert waren. — Der Gebrüder 
Mazzoni unter eigenem Namen ausgestellte Arbeiten (kleine figürliche 
Flachreliefs) würden sie hier nicht nennen lassen, wohl aber weist den 
selben die von ihnen ausgeführte vortreffliche Schnitzarbeit an den 
Säulen des von Emilio Truci ausgestellten Himmelbettes einen ersten 
Platz an. Dieses Bett mit seinen von den schönsten Acanthusblättern 
und Blumenranken umwachsenen Säulen und den phantastisch reiz 
vollen Fabelthieren am Sockel und Sims war ein gar prachtvolles Stuck ; 
leider stimmte der dachförmige, nach Art eines Kielbogens geschwun 
gene Aufsatz des Himmels übel zu demUebrigen, auch das verschossene 
schmutzige Gelb der Vorhänge und des Himmelbezuges that der Wir 
kung Abbruch. —Von den Arbeiten des Professore Giusti war diesmal 
nur ein kleiner, sehr reich im italienischen Rollwerkstil behandelter 
Rahmen neben den Schülerarbeiten in der Ausstellung des Museo In- 
dustriale Italiano zu sehen. Was Giusti und seine Altersgenossen für 
die Heranbildung tüchtiger Holzschnitzer geleistet, erhellte aus der durch 
schnittlich sehr hohen, in der Gesammtheit von keinem anderen Lande 
erreichten, technischen Vollendung aller erwähnten Schnitzarbeiten. Da 
bei darf nur nicht Halt gemacht werden, wenn nicht der heutige Zustand
	        
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