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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

1. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 433 
In allen Theilen wich dasselbe von den sonst ausgestellten Betten ab. 
Auf einer niederen auf drei Seiten um das Bett laufenden Estrade ruht 
der massig hohe Sockel, auf den, zwischen Kopf- und Fusswand, die 
breiten Matrazen gelegt werden sollen. Dieser Sockel ist einfach ge 
gliedert, sein wulstiges Hauptglied durch ein breites Gurtornament gut 
charakterisirt. Die Breite der Fusswand nimmt eine einzige grosse 
Platte ein, auf welcher, nach dem Yorbilde der Vorderseiten alter Tru 
hen, in Ranken endigende Putten zwischen sich ein Schild halten, auf 
dem in zartem Relief die Freude allegorisch dargestellt ist. Auf der 
oberen Kante dieser Platte ruht ein breit ausladendes Gesims, dessen 
oberstes Glied als seitlich zusammengerollte Decke charakterisirt ist 
und dem entsprechend an den Enden einer jonischen Volute gleicht. 
Unter letzterer stützt das Gesims ein in völliger Rundung schön gebil 
deter nackter Putte. Die hohe Rückwand zerfällt in zwei Theile. Der 
untere ist oberhalb des Kopfpfuhls in elf kleine Felder zerlegt, in welche 
abwechselnd mit anmuthigem Ornament zarte Reliefs mit Frauengestalten 
allegorischen Bezuges (der Traum, die Liebe, die Treue, die Fruchtbar 
keit), in der Mitte Amor und Psyche, eingelassen sind. Das Gesims 
oberhalb dieser Felder stützen zwei weibliche Caryatiden, deren lang 
gestreckte klauenbewehrtc Beine auf dem Sockel des Bettes fussen — 
eine groteske Bildung, die nicht eben schön zu nennen ist. Oberhalb 
dieser Simsträger springt jederseits eine Console vor, der ein Knäblein 
entwächst, welches mit Kopf und Hand den im Grundriss einem flachen 
Kreisabschnitt gleichenden hölzernen Betthimmel stützt, der von dem 
obersten Sims der Rückwand wagrecht vorspringt. Die Unterseite des 
Himmels ist in Cassetten getheilt, deren mittlere ein Wappenschild zeigt. 
Der obere Theil der Rückwand ist wieder wie eine Truhenplatte geziert: 
zwei Greifen, deren Schwänzen Ranken entwachsen , halten eine Tafel 
mit der Aufschrift „Siena“. Die Ausführung der figürlichen Reliefs und 
der Freisculpturen ist eine durchweg gelungene, die Ornamente, welche 
alle feineren Glieder schmücken, sind mit gutem Verständniss für ihren 
Platz verwendet. Dass auf weiteren Schmuck durch Vorhänge verzich 
tet worden, erhellt aus dem Gesagten. Die hohe Rückwand ist nur als 
Schutz gegen die kalte Luftströmung von der Mauer her gedacht und 
demgemäss oben abgeschlossen. — Siena, welches so viele tüchtige 
Holzbildhauer heranbildet, scheint den zur Vollendung gediehenen übri 
gens nicht hinreichenden Erwerb zu bieten, denn auch Ferri undBar- 
tolozzi haben ihm den Rücken gewendet, um sich in Rom niederzu 
lassen. 
Auch mit seinen eingelegten Arbeiten behauptete Siena einen 
verhältnissmässig hohen Rang. Neben des Peruginers Alessandro 
Monteneri oben bereits geschilderter Platte war des Sienesers 
Salvatore Barni achteckige Tischplatte das beste Stück in bunter 
Holzintarsia, das freilich im Vergleich mit den geschnitzten Arbeiten 
Wiener Weltausstellung. III. 2. 90
	        
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