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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
schon 1862 in London und 1867 in Paris hohe Auszeichnungen gewann. 
In seinen Arabesken-Compositionen strebt er, ohne die alten Muster zu 
verleugnen, nach Selbstständigkeit; das Elfenbein gravirt er aufs Sau 
berste, vielleicht etwas befangen, ja ängstlich in den Strichlagen; er 
legt es mit grösster Sorgfalt in das Ebenholz und weiss an seinen Ar 
beiten Einlagen und Buckeln von Lapis lazuli, rothem oder grünem 
Marmor, mit besserem Geschmack als Andere ohne prunksüchtige Ueber- 
treibung anzubringen. Die Herstellung dieser Arbeiten betreibt Gatti, 
um seinen altbewährten Ruf aufrecht zu erhalten, auch heute noch nur 
als Künstler. Seine Werkstatt hat sich zu keiner industriellen Bedeu 
tung aufgeschwungen, sie beschäftigt nur sechs Arbeiter. 
Auch das von Giuseppe Pazzi in Rom ausgestellte Ebenholz 
cabinet mit Elfenbeinintarsia ist unter die besseren Arbeiten dieser Art 
zu zählen. Ganz ungeschickter Weise waren die an demselben ange 
brachten Säulchen mit bronzenen Capitälen versehen, auf das Kranz 
gesims eine Imperatorenbüste mit Emblemen gesetzt, die im Yerhältniss 
zum Möbel viel zu gross waren, und alle diese Bronzen waren obendrein 
auf’s Plumpste patinirt, nach jener rohen Art, welche billigen Zinkguss 
mit Hilfe aufgestreueten Grünspanpulvers in edle Bronze verwandeln 
möchte. 
Nur ein Römer, Raffaelo Yespignani, hatte Schnitzarbeiten 
ausgestellt: ein nettes Ebenholzschränkchen und einen aus demselben 
Stoffe gearbeiteten Rahmen mit dem in Elfenbein geschnittenen Brust 
bild des deutschen Kronprinzen. 
Aus Foligno war neben Alessandro Monteneri, dessen Intarsia 
platte schon gewürdigt worden, Federico Lancetti nach Wien gekom 
men, dieser gleich jenem schon auf der zweiten Londoner Weltaus 
stellung prämiirt. Unter Lancetti’s Arbeiten verdienten besondere 
Aufmerksamkeit die kleineren Stücke, Cassetten, Schränkchen, Album 
deckel, Cigarrendosen, an denen Elfenbein, Ebenholz, Perlmutter (neben 
dem gewöhnlichen das bunte der Haliotysarten), Schildpatt und Metall 
auf originelle Weise und mit gutem Geschmack in der Farben wähl zu 
zierlichen Flachmustern vereinigt waren, die entfernt an diejenigen 
der hübschen „Bombaymosaiken“ der britisch-indischen Abtheilung er 
innerten. 
Eine Sonderstellung nahmen die neapolitanischen Holz 
schnitzer ein. In seltsamer Uebereinstimmung waren sie darauf ver 
fallen, den pompejanischen Alterthümern Motive zu Phantasiemöbeln 
zu entnehmen, und zwar jeder auf eigene, gar absonderliche Weise. 
Luigi Mastrodonato hatte an einem kleinen, als Toilette bezeich- 
neten Möbel eine gemalte Wanddecoration ins Hölzern-Plastische über 
setzt. An der Rückwand desselben war die decorative Auflösung der 
Säulenarchitektur mit den schlanken Schäften und geschwungenen Ar- 
chitraven in völliger Verkennung ihrer Zweckbestimmung auf plumpe 
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