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MAK

Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I.  Die  Erzeugnisse  der  Möbeltischlerei  etc.
In  einem  Uebergangsstadium  mag  das  hingehen,  es  sollte  aber  einmal
ein  Ende  nehmen,  um  so  mehr,  als  die  Bekanntschaft  mit  den  echten
Arbeiten  unser  Auge  bald  für  ihre  dem  Europäer  doch  nicht  erreichbaren ­
  Eigenthiunlichkeiten  schärft.
Unter  den  Sesseln  Roudillon’s  waren  besonders  zwei  im  Stile
Henri  II.  von  Bedeutung.  Der  eine  von  einfachster  Form:  die  vier
Füsse  durch  ebensoviele  Querhölzer  je  zwei  und  zwei  in  verschiedenen
Höhen  verbunden,  gepolsterter  Sitz,  leicht  nach  hinten  geneigte,  von
den  einfachen  Armlehnen  aufwärts  gepolsterte  Rückenlehne;  das  ganze
Gerüst  gleich  den  Polstern  mit  dunkel-olivgrünem,  kleingemustertem,
sammetartigem  Stoff  fest  anliegend  überzogen;  Sitz,  Polster  und  unterer ­
  Stand  des  Rückenpolsters  mit  Fransenbehang.  Ist  auch  die  Construction
  an  und  für  sich  gut  und  empfängt  man  von  diesem  Sessel  den
Eindruck  behaglicher  Ruhe,  so  ist  doch  die  vollständige  Ueberkleidung
aller  structiven  Theile  nicht  ganz  zu  billigen.  Vermieden  ist  diese
bei  dem  anderen  Sessel  aus  Nussholz,  der  bis  auf  die  fehlenden  Armlehnen ­
  dieselbe  Construction  zeigt.  Die  durch  vier  starke  vierkantige
Sparren  in  gleicher  Höhe  dicht  über  den  kugeligen  Füssen  verbundenen ­
  Stuhlbeine  sind  einfach  gedreht;  die  vierkantigen  Pfosten  der
Rücklehne  enden  oberhalb  des  Polsters  in  ein  fein  geschnitztes  Blattornament; ­
  der  Sitz  ist  gepolstert  und  in  Schulterhöhe  des  Sitzenden
verbindet  ein  Polster  die  Pfosten  der  Lehne;  die  Polster  sind  mitdunkelrothem
  Seidensammet  bezogen  und  mit  reichem  Behang  seidener  Troddeln ­
  und  Fransen  geschmückt.  Alles  in  Allem  ein  Möbel,  das  Bequemlichkeit, ­
  gefällige  Form  und  Festigkeit  verbindet,  eines  der  besten  kleineren ­
  Sitzmöbel  auf  der  Ausstellung.  —  Anderer  Arbeiten  Roudillon’s ­
  ist  schon  in  anderem  Zusammenhang  gedacht  worden.  Hier  sei
nur  noch  erwähnt,  dass  er  auch  an  mehreren  kleineren,  mit  Ebenholz-Elfenbein-Intarsia
  gezierten  Tischen  sein  Verständniss  für  stilgemässe
Behandlung  des  Stoffes  und  seine  Neigung  zu  einfacher  Anmuth  bewährt ­
  hatte.
Roudillon  zunächst  unter  den  Parisern  ist  Henri  Fourdinois
zu  nennen.  Sein  glänzendstes  Stück  war  ein  vom  Jahre  1867  her  bekanntes ­
  überprächtiges  Bettgestell  mit  Himmel  nach  französischer  Art
im  Stile  Louis  XVI.;  auffallend  durch  den  Reichthum  der  vergoldeten
Bronzeornamente,  die  das  Ebenholz'der  structiven  Theile  nahezu  verdecken; ­
  auffallend  durch  die  reizvollen  Gobelins,  welche  in  schweren
Falten  von  dem  Himmel  herabhängen,  die  Wand  hinter  dem  Kopfende
verdecken,  als  Füllungen  in  das  dreigetheilte  Rahmenwerk  des  Fussendes
  gespannt  sind,  und  für  jede  dieser  Functionen  denselben  besonders ­
  angepasste  Muster  in  dem  kokett  -  zierlichen,  mit  naturalistischen
Blumen  ä  la  Ranson  auf’s  Anmuthigste  durchflochtenen  Arabeskenstil
der  besten  Zeit  Ludwig  XVI.  zeigen.  Abgesehen  davon,  dass  der  sehr
massiv  gebildete,  mit  metallenen  Ornamenten  überladene  Himmel  un-
            
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