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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
behaglich lastend über dem Ganzen hängt, will eine rechte Freude bei 
dem Anblick so vieler Pracht nicht aufkommen; denn fragt man, wer 
eigentlich in diesem Wunderbett schlafen soll, so drängt sich unwill 
kürlich die \ orstellung auf, dass wir es hier mit einem Stück zu thun 
haben, dessen Entstehung auf Specialitäten der Pariser eleganten Welt 
zurückzuführen ist: „Bett einer Courtisane u nennt es ein geistvoller 
Wiener Kritiker. Das zweite, gleichfalls schon von früherher bekannte 
Paradestück war das öfter erwähnte Cabinet aus Nussholz mit Marmor 
einlagen. Die Grundgestalt desselben entspricht dem oben (S. 384) 
geschilderten Schema in reichster Lösung. Die Stützen des Schrank- 
theiles sind in wunderbar phantastische Figuren aufgelöst: auf der 
Sockelplatte sitzt jederseits halbaufgerichtet ein schlanker, doch muskel 
fest gebildeter, geflügelter Windhund, dem vom Nabel und den Schul 
tern ab der Oberkörper eines wunderschönen, sphinxartig strengblicken 
den Weibes entwächst, dessen Hauptschmuck das Volutencapitäl bildet, 
auf dem der Kähmen aufliegt. Der Sehranktheil selbst ist gut geglie 
dert: das Mittelfach öffnet sich mit zwei Thüren, die Seitenfächer sind 
verdeckt durch Statuetten in reich umrahmten Nischen, zwischen frei 
stehenden Säulen; eine gut gegliederte, obwohl etwas schwere Bekrö 
nung schliesst das Ganze wieder mit reichstem figürlichen Schmucke 
ab. Solcher ist auch auf sämmtlichen Füllungen der Wände, Thüren, 
Friese in verschwenderischer Fülle entfaltet, In die Sockel der Säu 
len, die vorgekröpften Gebälktheile über denselben, in die Fläche der 
Soekelplatte und sonst an schicklichen Stellen sind bunte Steine ein 
gelassen, die allerdings in coloristischer Beziehung zu dem warmen, 
saftigen Braun des gewichsten Nussholzes stimmen, Angesichts derer 
man sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren kann, dass gerade hier, 
wo in künstlerischer Behandlung des Ornamentes und der Figuren ohne 
stofflichen Prunk das Höchste geleistet ist, die gleissende Zuthat neben 
so vieler Schönheit eine überflüssige, wenn nicht unwürdige Zuthat 
ist. Im Innern enthält das Cabinet theils Börter, tlieils kleine Schub 
fächer, letztere mit feinster Ebenholz - Elfenbein - Intarsia belegt. 
Der beiden Platten mit Relief-Intarsia ist an anderer Stelle aus 
führlich gedacht worden (S. 409). Die Statuette einer sitzenden Diana, 
die sich das Gewand auf der Schulter knüpft, gehörte schon völlig in das 
Gebiet der freien Kunst, sie weckte mit der Erinnerung an ältere Bild 
werke dieser Technik lebhaftestes Bedauern , dass das Holz heut nicht 
mehr zu den Stoffen zählt, in welchen unsere Bildhauer arbeiten. 
Eine gute Commode aus Palisander mit Bronzebeschlägen im Stile 
Louis’ XVI. wurde als Facsimile eines älteren Möbels ausgegeben. 
Neben Roudillon und Fourdinois wurde das Ehrendiplom den 
Parisern Gueret freres zuerkannt. Das Hauptstück derselben war 
der schon erwähnte Raritäten- oder Bücherschrank, ausgezeichnet durch 
gediegene Ausführung, gute Verhältnisse und schöne Formen, reich
	        
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