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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
ohne Ueberladung. Sein Aufbau entsprach dem Schema des Fourdinois’sehen
Cabinetes. Vier nach unten verjüngte Stützen mit jonisirenden
Capitälen tragen vorn den als Gesims charakterisirten Rahmen
der Platte; das breitere zweithürige Mittelfach ist mit Glasscheiben
versehen; auf den von Pilastern mit korinthischen Renaissancecapitälen
umrahmten Thüren der Seitenfächer sieht man halberhabene Reliefs,
allegorische Frauengestalten und Putten (S. 393), von vollendeter Schönheit;
oben ein fortlaufendes Gesims, in der Mitte unterbrochen von
einem phantastischen Maskaron; über diesem ein für eine Büste bestimmter
Sockel inmitten eines gebrochenen flachbogigen Giebels, dessen
Breite derjenigen des Mittelschrankes entspricht. Das ganze Möbel
ist aus gewichstem Nussholz hergestellt, an den Säulensockeln, auf
den Füllungen einiger Schubladen, an den über den Capitälen vorgekröpften
Gesimstheilen, in den Feldern des gebrochenen Giebels sind
Platten rothen, grünen Marmors eingelassen. Die Beschläge auf den
Schubladen sind von dunkel angelaufenem Kupfer. Wie fein der Zeichner
dieses musterhaften Möbels alle Einzelheiten seiner Arbeit durchdachte,
zeigten unter Anderem die Rosetten in den Voluten, mit welchen
die Giebelhälften ansetzen und auslaufen. Diese Rosetten liegen
nicht, wie es die einfache Entwickelung des Möbels ohne Rücksicht auf
ein ausser ihm Befindliches mit sich brächte, in einer senkrechten,
sondern in einer nach vorn geneigten Ebene, wodurch der Beschauer
des Möbels selbst aus grösserer Nähe die Rosetten ohne verunstaltende
Verkürzung voll entfaltet sieht. Diese feinfühlige Sorgfalt im Entwürfe
ist für unsere deutschen Möbelzeichner sehr lehrreich. Meistens
Architekten und noch nicht wie die französischen architectes-dessinateurs
mit der Werkstatt in unmittelbarer Wechselwirkung, laufen sie leicht
Gefahr, ihre Entwürfe allein nach dem Aufriss zu beurtheilen, und
zwar um so mehr, als ja auch für die Beurtheilung der Entwürfe von Gebäuden
der Aufriss häufig allein maassgebend gehalten wird, ohne dass
der Erwägung, wie sich das diesem Aufriss entsprechende Gebäude
unter gewissen Sehwinkeln, in g'ewissen \ erkürzungen darstellen wird,
der erforderliche Raum gegeben würde.
Bei den Möbeln würden Erwägungen dieser Art nicht nur zu decorativen
Feinheiten, wie die geschilderte, führen, sondern auch gröbere
Fehler vermeiden lehren, wie beispielsweise denjenigen, welcher
sich häufig einstellt, wenn ein senkrechtes Bauglied über dem ausladenden
Gesimse in Form eines Aufsatzes, einer Büste oder Vase decorativ
ausklingen soll, wobei selten die Höhe des Sockels dieses Aufsatzes
und die Ausladung des Gesimses unter demselben in dasjenige
Verhältnis gebracht werden, welches für den gewöhnlichen Standpunkt
des Beschauers in unseren Wohnränmen die theilweise Verdeckung des
Aufsatzes durch das Gesims verhindern würde.*— Ein zweites hervorragendes
Stück derselben Aussteller war das gleichfalls schon erwähnte,