1. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. /149
metallischen Farbenscala, an schicklicher Stelle unterbrochen von bunten
Emailfarben. Die Zeichnung des Ganzen wie der Ornamente ist
von ausserordentlicher Schönheit, jedoch würden wir Bizarrerien, wie
die Unterbrechung der Continuität der runden cannelirten Säulenschafte
durch Einschiebung eines vierseitigen, pfeilerartigen Gliedes zwischen
deren Basis und Capital, wie die aus den Rosetten über den Lisenen
seitlich nach der Mitte des Schrankes zu vorspringenden Panther, gern
vermissen. Yon vorzüglicher Schönheit und Pracht ist die grosse Füllung
der einzigen Thür. Sie ist lehrreich durch eine sehr anmuthige
Behandlung jenes bei aller Phantastik häufig doch so trockenen Rollwerkes,
welches für die Ornamentik des letzten Drittels des 16. bis
tief hinein in das 17. Jahrhundert charakteristisch ist; lehrreich zugleich,
indem sie zeigt, was ein französischer Zeichner ans einem alten
Ornamentblatt zu machen versteht, wie er abgelebten Formen, ohne sie
dem Boden ihrer Zeit zu entrücken, frisches Leben einzuhauchen weiss.
Zufällig ist uns ein im Jahre 1602 zu Antwerpen gedrucktes seltenes
Ornamentenbuch zu Händen, des Fr. Sweertius „Deorum Dearurhqiie
capita“. Die auf dem I 4 signirten Blatte enthaltene Rollwerkumrahmung
hat unzweifelhaft Herrn Rossigneux bei der Composition seiner
grossen Mittelfüllung Vorgelegen. Alles Wesentliche ist beibehalten
und das Ganze doch so frisch weiterentwickelt, die Dürre der
Blechausschnittornamentik so anmuthig durch pflanzliche Gebilde belebt!
In Wahrheit ein lehrreiches Beispiel, wie die Franzosen in der
Kunst Meister sind, auf den Grundmauern eines alten Stiles unbefangen
weiterzubauen.
Sehr reichhaltig aber auch recht gemischt war die Ausstellung von
Henri Lemoine. Die Hauptstücke waren Theile eines Boudoirs und
eines Toilettenzimmers im Stile Louis XVI., aus diesem eine Commode
mit Spiegelaufsatz und ein Spiegelschrank, aus jenem ein Schreibtisch
und ein runder Tisch, sämmtlich aus Acajou, mit Perlmutter und vergoldeter
Bronze eigenthümlich verziert, am reichsten die beiden erstgenannten
Möbel. Der Kasten der Commode aus dunkelrothbraunem,
polirtem Acajouholz; von Bronze die Cannelüren der Füsse, ein Schuppenband
auf den Lisenen, die Tropfen und Einschnitte der über den letzteren
die schwarzgrüne Marmorplatte stützenden Triglyphen; je zwei
Schubladen unter und neben einander, über diesen drei schmälere, der
äussere Rahmen derselben aus Acajou, dem nach innen ein feiner Rundstab
und ein Blätterstab aus vergoldeter Bronze folgt, welcher eine
breite aus kleinen quadratischen Platten hellen Perlmutters zusammengesetzte
nach innen mit einer Bronzelinie abgeschlossene Umrahmung
einschliesst; die Füllung wieder aus Acajou mit vergoldetem Schlossbeschlag
und Griffen im Arabeskenstil. Die Umrahmung des von der
Rückwand aufsteigenden, völlig vergoldeten Spiegelaufsatzes besteht
jederseits aus einer candelaberartig reichgegliederten, mit Blumen-Wiener
Weltausstellung. III. 2. 29