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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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450 Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
gewinden umschlungenen Säule, an der in halber Höhe ein im Zeit- 
costüm frisirter Medaillonkopf in weissblauem Wedgwood-Steingut an 
gebracht ist. Oben auf dem abschliessenden Sims ein Dreifuss zwi 
schen musicirenden Putten. Dem völlig entsprechend auch die übrigen 
Möbel. 
Zu erwähnen ist ferner ein Gewehrschrank: dreithüriger Unter 
schrank, darüber rechts und links ein kleiner Aufsatz mit je vier durch 
ein Schlüsselloch zu schliessenden Schubladen, in der Mitte ein hoher 
Schrank mit Glasthür. Bemerkenswerth war dies Möbel durch die 
Güte und präcise Bearbeitung des schwarz gebeizten Birnbaumholzes, 
das ohne Schnitzwerk rein nach Schreinertechnik verwendet war; sau 
bere Verkröpfung der Rahmen an Thür- und Schuhladenfüllungen war 
von guter Wirkung, doch vermisste man den structiven Theil des 
Körpers der kleinen Seitenschränke, die aufeinandergesetzten Schub 
laden glichen. In dem gebrochenen Bogen über dem Gewehrschrank 
stand schicklich die bekannte Bronzestatuette des schlangenbändigen 
den Nubiers. 
Ein interessantes Stück war auch ein aus zwei aufeinandergesetz 
ten niedrigen, zweithürigen Schränkchen bestehendes Möbel, jeder Theil 
mit gekuppelten Ecksäulen an der Vorder- und einer Ecksäule an den 
Hinterecken, der untere auf gedrechselten Füssen, zwischen beiden 
Schränken eine starke Einziehung von energischem Profile. Das Ma 
terial ist Mahagoni- und Ebenholz, letzteres für die Füsse, das untere 
Sockelglied, die feineren Rundstäbe und gekehlten Glieder an den 
Thüren und an dem Getäfel der Seiten; ferner auf die Mittelfelder der 
Thürfüllungen mit ihren ganz flach geschnitzten Ornamenten im Roll 
werkstil, das obere Gesimsglied und die Säulen. Letztere intarsirt mit fei 
nem Rankenwerk, dessen Stengel und Blumen aus Elfenbein, die Blät 
ter aus braunem Holze bestehen, eine technisch merkwürdige Leistung, 
die nur leider keine entsprechende Wirkung erzielt, weil die Ranken 
in Folge ihrer theilweisen Verkürzung durch die Cylinderfläche in un 
schönen Curven sich darstellen. Von Elfenbein gedrechselt sind auch 
die Basen und Capitäle dieser Säulen, und feine Linien desselben Stof 
fes umziehen sämmtliches Rahmenwerk. Die beiden Schlossbleche 
sind bronzirt, am oberen Schrank auch die nach aussen entwickelten 
Angelbänder. Die Börter und Fächer des Innern sind mit Amboina- 
holz gleichmässig fournirt. Auch dies Möbel konnte als ein lehrreiches 
Muster dafür gelten, was bei präciser Schreinerarbeit, fein durchgebil 
deten Profilen und geschmackvoller Wahl der Holzfarben zu erreichen 
ist, auch ohne vielerlei Ornament und plastischen Schmuck. 
Zweier von Lemoine ausgestellter Ständer für Vasen oder Büsten 
sei hier nur deswegen gedacht, weil sie als Repräsentanten des rasch 
verblühten style neo-grec in der französischen Abtheilnng dieser Gruppe 
fast einzig dastanden, während noch vor sechs Jahren in Paris dieser
	        
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