I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 451
Stil sich recht breit machte. Diese Ständer waren aus lichtgelbem Sykomorenholz,
die feinen Glieder, Leisten und dergleichen, sowie die
Füllungen der nach unten verjüngten Seitenfelder matt vergoldet, das
gravirte Palmettenornament lilafarben bemalt.
Interessant war die Lemoine’sche Ausstellung auch durch eine
Auswahl von über zwanzig Sesseln. Dieselben zeichneten sich durch
eine Mannigfaltigkeit aus, die kein anderer Aussteller in Wien erreichte
, die Menge des Gebotenen enthielt jedoch nicht ein einziges
Stück von aussergewöhnlicher Bedeutung, wohl aber mehrere, die zu
dem Urtheil berechtigten, dass auch der Pariser Möbelfabrikant nicht
gefeit ist gegen Geschmäcklosigkeiten derbster Sorte. Sowojil durch
die Holzsessel an und für sich wie durch auffällige Seltsamkeiten der
zu den Polstern verwendeten Stoffe und Stickereien warf die Lemoine’sche
Sesselcollection ein sehr eigenthümliches Licht auf die völlig haltlose
Stil- und Principienlosigkeit, welche die Pariser Kunsthandwerker
zweiten Ranges beherrscht. Das Charakteristische sei hier deswegen
kurz angedeutet. Da waren zu sehen unter den Sesseln mit sichtbarem
llolzgestell: ein Stuhl im „pompejanischen Stil“, zierlich gehalten, die
Profilirung der vorderen Beine und der Seitenhölzer der Lehne ahmt
das so sehr charakteristische Profil der metallenen Stützen altrömischer
Betten nach; das Holz schwarz gebeizt; Polster schwarzes Tuch; auf
dem Rückenpolster in rother Applicationsstickerei eine Gastmahlsscene
nach einem antiken Vasengemälde, auf dem Sitz ebenso hergestellte
Palmette p.
Sessel mit Armlehnen, Stil Louis XV., Gestell ganz vergoldet; die
Polster mit gewebten Bildern bezogen; auf dem Rückenpolster eine
Landschaft mit hohen Tannen und Fernsicht, umgeben von imitirtem
Rahmen, zwischen letzterem und dem Holzrahmen carminrother Grund.
Aehnlicher Sessel, Stil Louis XVI., Gestell ganz vergoldet, wie der
vorige mit abgepasstem Muster; in der Mitte ein grosser Blumenstrauss
in bunten Farben, umrahmt von rothen und bläulichen Arabesken,
zwischen diesen und dem Rande blaugrauer Grund.
Aehnlicher Sessel, style neo-grec, Nussbaum, die gravirten Ornamente
vergoldet, Polster pompejanisch-roth, zwiefach eingefasst mit
schwarzem Sammetband.
Sessel, Form der Spätrenaiseance, die Füsse verbunden durch zwei
sich berührende Halbkreise; helles Nussholz, die grünen Polster mit
Gurten von lichterem Grün kreuzweise bespannt und mit breitem,
dunkelgrünem, rothbesäumtem Rande umgeben; Nägel mit stark vortretenden
Stahlknöpfen.
Tabouret, Stil Louis XVL, die kreisrunde Zarge, die vier Füsse
und die kreuzweise gelegten Sparren vergoldet: Polsterbezug schwarze
Seide mit bunten Knöpfen, in der Mitte eine Stickerei: grosses, derb
naturalistisches Blätterstück.
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