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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
Die sehr reichhaltige Ausstellung Die hl’ s liess einen wirklichen
Fortschritt über die älteren Leistungen dieser Firma hinaus nicht er
kennen. In technischer Hinsicht leistet sie nach wie vor Ausserordent
liches, die Behandlung der Formen aber ist eine durchweg launenhafte.
Die Sucht, immer Neues zu bieten, die Dinge anders zu bilden als je
der Andere, führt hei Diehl zu wildem Mischmasch der Stile, der nicht
selten ins fratzenhaft Verzerrte ausartet, und besonders aufdringlich
an kleinen Phantasiemöbeln, einer Specialität Diehl’s, zu Tage tritt-
Ueberreicher Metallbeschlag, meist mit prahlerischer Verschwendung
von Gold und Silber, herrschte unter den plastischen Zierrathen vor,
auf den Flächen wären grell-bunte Holz-Intarsien zum Theil in harten
Anilinfarben oder Email oder Porcellanmalereien verwendet. Von guter
Wirkung waren in das Ebenholzrahmen werk eines Schmuckschränk
chens eingelassene Platten von jener Art des LTmousiner Emails, welche
auf schwarzem Grund die Zeichnung in Weiss und Grau aufträgt, die
nackten Theile der Figuren fleischfarben anhaucht und Einzelnes, Haare,
Gewänder, Geräthe, mit Gold höht. Wie in diesem Falle lag das Ver
dienstliche der einzelnen Stücke überhaupt meistentheils mehr in einer
zur Decoration des Möbels herangezogenen fremden Technik als in der
Holzarbeit an und für sich und dem geschmack- und stilvollen En
semble. Die tadellosesten Stücke waren diejenigen, bei welchen Diehl
am wenigsten von den alten Vorbildern abgeschweift war. So ein aus
gezeichneter dreithüriger Schrank mit Thujafournier und Beschlägen
von vergoldeter Bronze im Stile Louis XVI. (Preis 36 000 Francs); ein
grosser Tisch im selben Stil (Preis 18 000 Francs) mit farbiger Intarsia
platte (antike Wagenlenkerinnen) und Bronzebeschlag. Ein reizvolles
Stück war auch der einthürige Schmuckschrank von brasilianischem
bois de Violette, mit compendiöser Schreibvorrichtung in einer als Tisch
dienenden Schublade, im Innern mit lila Seide ausgepolstert, in den
Füllungen mit blassen Porcellanbildern von der Hand Paul Fortin’s,
die, wie die zierliche Vase auf der Bekrönung, gleichfalls Motiven des
eben erwähnten Stiles folgten (Preis 6500 Francs).
Auch in der Ausstellung von Frangois Goekler herrschte der
Stil Louis XVI. vor anderen Richtungen vor. Zunächst in einem Schlaf
stubenmobiliar, dessen glatte Theile mit dem schönsten Amboinaholz
fournirt, dessen geschnitzte Ornamente (mit Friesen in elliptischen
Rankenwindungen ä la Sallembier) aus schwarz gebeiztem Birnbaum
bestanden (Preis des dreithürigen Schrankes 8000 Francs). Von guter
Wirkung, obwohl im Stil unrein und verworren durchgeführt, war auch
ein grosser, schwarzer Schrank, aussen von abwechselnd polirtem und
mattem, schwarzem Birnbaum, innen von Amaranthholz, die Besahläge
(Schlossbleche, Griffe, Angelbänder) von polirtem Stahl.
Wie Goekler behauptet auch Paul Mazaroz (Ribalier) nur
eine zweite Stelle unter den grossen Pariser Möbelfabrikanten, wenig-