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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
Die sehr reichhaltige Ausstellung Die hl’ s liess einen wirklichen 
Fortschritt über die älteren Leistungen dieser Firma hinaus nicht er 
kennen. In technischer Hinsicht leistet sie nach wie vor Ausserordent 
liches, die Behandlung der Formen aber ist eine durchweg launenhafte. 
Die Sucht, immer Neues zu bieten, die Dinge anders zu bilden als je 
der Andere, führt hei Diehl zu wildem Mischmasch der Stile, der nicht 
selten ins fratzenhaft Verzerrte ausartet, und besonders aufdringlich 
an kleinen Phantasiemöbeln, einer Specialität Diehl’s, zu Tage tritt- 
Ueberreicher Metallbeschlag, meist mit prahlerischer Verschwendung 
von Gold und Silber, herrschte unter den plastischen Zierrathen vor, 
auf den Flächen wären grell-bunte Holz-Intarsien zum Theil in harten 
Anilinfarben oder Email oder Porcellanmalereien verwendet. Von guter 
Wirkung waren in das Ebenholzrahmen werk eines Schmuckschränk 
chens eingelassene Platten von jener Art des LTmousiner Emails, welche 
auf schwarzem Grund die Zeichnung in Weiss und Grau aufträgt, die 
nackten Theile der Figuren fleischfarben anhaucht und Einzelnes, Haare, 
Gewänder, Geräthe, mit Gold höht. Wie in diesem Falle lag das Ver 
dienstliche der einzelnen Stücke überhaupt meistentheils mehr in einer 
zur Decoration des Möbels herangezogenen fremden Technik als in der 
Holzarbeit an und für sich und dem geschmack- und stilvollen En 
semble. Die tadellosesten Stücke waren diejenigen, bei welchen Diehl 
am wenigsten von den alten Vorbildern abgeschweift war. So ein aus 
gezeichneter dreithüriger Schrank mit Thujafournier und Beschlägen 
von vergoldeter Bronze im Stile Louis XVI. (Preis 36 000 Francs); ein 
grosser Tisch im selben Stil (Preis 18 000 Francs) mit farbiger Intarsia 
platte (antike Wagenlenkerinnen) und Bronzebeschlag. Ein reizvolles 
Stück war auch der einthürige Schmuckschrank von brasilianischem 
bois de Violette, mit compendiöser Schreibvorrichtung in einer als Tisch 
dienenden Schublade, im Innern mit lila Seide ausgepolstert, in den 
Füllungen mit blassen Porcellanbildern von der Hand Paul Fortin’s, 
die, wie die zierliche Vase auf der Bekrönung, gleichfalls Motiven des 
eben erwähnten Stiles folgten (Preis 6500 Francs). 
Auch in der Ausstellung von Frangois Goekler herrschte der 
Stil Louis XVI. vor anderen Richtungen vor. Zunächst in einem Schlaf 
stubenmobiliar, dessen glatte Theile mit dem schönsten Amboinaholz 
fournirt, dessen geschnitzte Ornamente (mit Friesen in elliptischen 
Rankenwindungen ä la Sallembier) aus schwarz gebeiztem Birnbaum 
bestanden (Preis des dreithürigen Schrankes 8000 Francs). Von guter 
Wirkung, obwohl im Stil unrein und verworren durchgeführt, war auch 
ein grosser, schwarzer Schrank, aussen von abwechselnd polirtem und 
mattem, schwarzem Birnbaum, innen von Amaranthholz, die Besahläge 
(Schlossbleche, Griffe, Angelbänder) von polirtem Stahl. 
Wie Goekler behauptet auch Paul Mazaroz (Ribalier) nur 
eine zweite Stelle unter den grossen Pariser Möbelfabrikanten, wenig-
	        
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