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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

Pest; irgend einer illustrirten Zeitung entnommen, entbehrte dieselbe 
jedweden decorativen Werthes. Als nicht misszuverstehende captatio 
benevolentiae fand dieser Schreibtisch sein Seitenstück in einem auf die 
Verherrlichung der Bourbons zugespitzten Schmuckkästchen Diehl’s, 
das auch richtig vom Grafen von Chambord erstanden wurde. Bei 
läufig sei erwähnt, dass ähnliche unberufene Anspielungen zumeist mit 
dem Hinweis auf hohe österreichische Käufer in anderen Abtheilungen 
nicht selten waren; selbst in der chinesischen Gallerie begegnete man deren 
und pianche mühselige Arbeit war in Folge einer solchen übel angebrach 
ten captatio benevolentiae gründlich verpfuscht worden. Es ist das auch 
ein, wenngleich geringfügiges, Krankheitssymptom im Gefolge der Welt 
ausstellungen. Als gute, preiswürdige Arbeiten fanden die kleineren Ge 
brauchsmöbel Hunsinger’s: Tische, Etageren, Schachtische (ein solcher 
recht guter zu 500 Francs), verdiente Anerkennung. Alle diese Möbel 
waren mit Ebenholz fournirt und mit Elfenbeineinlagen in einfachen, 
von gutem Geschmack zeugenden Mustern geziert. Besonders lehrreich 
war an ihnen die Zusammensetzung des Ebenholzfourniers aus lauter 
quadratischen oder rhombischen Stücken von etwa 2 bis 3 cm Seiten 
lange, wodurch sowohl dem leichten Reissen dieses Holzes vorgebeugt, 
als auch eine merkliche Ersparniss an Material erzielt wird. Wohl ur 
sprünglich aus technischen Rücksichten hervorgegangen, war dies Ver 
fahren von hübscher decorativer Wirkung, 
Durch gute Elfenbein - Ebenholz - Intarsia an einigen Salonschrän 
ken zeichnete sich auch die im Uebrigen nur mindere Arbeiten bie 
tende Ausstellung von G. Charmois & E. Lemarinier aus. 
Schmidt & Piollet freres hatten einfachere Möbel für ein 
Speisezimmer im Pavillon der französischen Commission geliefert. Des 
gleichen die Möbel des Arbeitszimmers daselbst. Beide Mobiliare durch 
gängig aus schwarzgebeiztem Holze ohne Schnitzwerk. 
Nach diesen und anderen Ausstellern zu urtheilen, scheint das 
künstlich geschwärzte Holz in der französischen Möbelindustrie noch 
eine bei Weitem grössere Rolle zu spielen, allerdings auch mit weit 
grösserer Sauberkeit behandelt zu werden, als in England, Deutschland 
und Oesterreich. Für die decorative Ausstattung unserer Zimmer ist 
entschieden zu wünschen, dass dem schwarzen Holze bei uns nicht ein 
weiterer Spielraum eingeräumt werde, und die natürlichen Farben des 
Nuss- und Eichenholzes sich auch ferner im Mobiliar als die vorwie 
genden behaupten. 
Entgegen den vorerwähnten Ausstellern, welche sammt und son 
ders und fast ausnahmslos ohne programmmässige Berechtigung und 
mit einen und denselben Stücken sowohl in der VIII. wie in der XIX 
Gruppe als Preisbewerber auftraten, concurrirte Henri Penon, der 
einzig und allein zur Concurrenz in beiden Gruppen berechtigt ge 
wesen wäre, nur in der Gruppe des „bürgerlichen Wohnhauses“ mit
	        
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