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Full text : Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

608

Gruppe  X.  Kurzwaaren.
verdienen  in  der  That  als  in  jeder  Beziehung  vollendet  bezeichnet  zu
werden.  Es  war  dem  Beurtheiler  schwer,  zu  entscheiden,  welcher  Art
der  verschiedenen  Techniken  er  an  diesen  Arbeiten  den  Vorzug  geben
sollte.  Die  Ciselirung  war  bei  den  meisten  Stücken  kunstvoll  zu  nennen, ­
  die  Vergoldung  voll  Feuer  und  die  Bronzirung  unstreitig  die  beste
und  schönste  in  der  ganzen  Ausstellung.  Ganz  neu  und  besonders
gelungen  schien  die  etwas  lichtbraune  Bronze,  bei  welcher  die  oberen
Flächen  in  Gold  erschienen,  was  namentlich  bei  Figuren  besondere
Wirkung  hervorbringt.  Auch  die  getriebenen  Arbeiten  (Vasen  und
Leuchter)  waren  vollendete  Kunstwerke,  ebenso  ein  Schmuckkästchen
und  eine  Tasse,  bei  welchen  die  sehr  feinen  Reliefs  mit  Gold  und  Silber
aufgelegt  waren.  Der  figürliche  Theil  aller  aus  diesem  Etablissement
hervorgegangenen  Gegenstände  war  in  jeder  Beziehung  edel  zu  nennen;
die  Lüstres  waren  mit  Bronze  und  Email  reich  geschmückt  und  geschmackvoll ­
  verziert.
für  die  Firma  F.  Barbedienne  &  Co.  in  Paris,  der  würdigsten
Repräsentantin  der  nunmehr  300  Jahre  alten  Bronzeindustrie  Frankreichs, ­
  hat  auch  die  Jury  der  Gruppe  X.  einstimmig  die  Ertheilung
eines  Ehrendiploms  beantragt.
Das  zweite  Ehrendiplom  der  Gruppe  X.  wurde  in  gleich  übereinstimmender ­
  Weise  der  Firma  Christofle  &  Co.  in  Paris  zuerkannt.
Diese  allbekannte  Firma,  wenn  auch  strenge  genommen  nicht  in  die
Kategorie  der  Bronzeaussteller  gehörig,  da  sie  neben  der  schon  seit
200  Jahren  von  der  Firma  Christofle  gepflegten  Gold-  und  Silberschmiedkunst, ­
  vorwiegend  galvanisch  versilberte  Tafelgeräthe  cultivirt,
hatte  sich  doch  nebenbei  mit  der  Erzeugung  ganz  vorzüglicher  Bronzearbeiten ­
  beschäftigt.  Wenn  dieselbe  für  die  Wiener  Weltausstellung
auch  keinen  Tafelaufsatz  in  dem  Umfang  wie  jenen  für  die  Stadt  Paris
lieferte,  welcher  auf  der  letzten  Pariser  Ausstellung  gerechtes  Aufsehen
ei  regte,  so  führte  sie  doch  eine  ganze  Reihe  von  Prachtstücken  vor,
welche  Zeugniss  geben  von  dem  rastlosen  Vorwärtsschreiten  auf  der
ruhmvoll  betretenen  Bahn.  In  besonderem  Grade  erregten  die  mit
Gold  und  Silber  eingelegten  Gegenstände  die  allgemeine  Bewunderung.
Diese  Arbeiten  sind  durch  Einschaltung  von  Gold-  und  Silberlinien  und
Ornamente  auf  galvanischem  Wege  hergestellt  und  können  durch  dieses ­
  Verfahren  billiger  als  durch  das  übliche  Tauschiren  hergestellt  werden. ­
  Im  Gegensätze  zu  Barbedienne  finden  wir  hier  eine  viel
leicheie  Farbenzusammenstellung  an  den  verschiedenen  Gegenständen,
welche  oft  in  Gold,  Grüngold  und  Silber,  oder  Kupferbraun,  Gold  und
Silber  erscheinen.  Was  die  Gussbronzen  betrifft,  so  sind  dieselben
durchgängig  ausserordentlich  gut  ciselirt  ausgeführt.  Dem  verstorbenen ­
  Chef  des  Hauses  Carl  Christofle  gebührt  das  grosse  Verdienst,
das  Vergoldungs-  und  das  elektrochemische  Versilberungsverfahren  in
Frankreich  eingeführt  zu  haben  und  hierdurch  der  eigentliche  Schöpfer
            
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