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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

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I. Kunstgewerbe. 
Ihr Verdienst ist aber ein sehr wechselnder, weil das Jet nur in 
Nestern im Liasschiefer vorkommt, welche durch krummhalser Arbeit 
(Schlupflöcher) in der betreffenden Gebirgsschicht aufgesucht wer 
den müssen und bald stärker, bald schwächer, von 30 cm bis zu 
Papierdicke mächtig Vorkommen. Je nach Grösse und Stärke wird 
für das Pfund rohen Jets 5 bis 25 Rmk. bezahlt. Durch die Verar 
beitung des Jets wird in Whitby der dritte Theil der Einwohnerschaft, 
gegen 1500 Personen, in 200 Fabriken beschäftigt und hierdurch ein 
jährlicher Umsatz von mehr als 2 Millionen Rmk. erzielt. Ausser in 
Whitby wird auch in Spanien Gagat, jedoch in kleineren Quantitäten 
und von weniger guter Qualität, gegraben. In neuester Zeit wurde 
aber auch in Würtemberg auf Anregung der königlichen Centralstelle 
für Gewerbe und Handel in der im Lande weit verbreiteten Liasformation 
nach Gagat geforscht und es sind die Bemühungen glänzend belohnt 
worden. Nicht nur dass sich dieses werthvolle Material in erheblicher 
Menge vorfindet, auch Härte, Politurfähigkeit und Farbe, selbst das 
specifische Gewicht des würtembergischen Gagats ist mit dem Jet von 
Whitby in jeder Beziehung übereinstimmend, so dass in nicht ferner 
Zeit die in Württemberg, und zwar besonders in Geislingen, heimische 
Beinschnitzerei auch ihre Leistungen in deutschen Gagatwaaren auf 
den Markt zu bringen im Stande sein wird. 
Wenden wir uns nach dieser Vorbesprechung zurück zur Ausstel 
lung selbst, so sind es diesmal die österreichischen Aussteller, welche 
in erster Linie unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Unter diesen 
sind es wieder die Wiener Meerschaumfabrikanten, welche durch 92 ver 
schiedene Ausstellungen ein so umfassendes Bild der Meerschaum 
schneiderei und Drechslerei gegeben haben, wie es vorher noch nie 
gesehen worden ist; von Meerschaumpfeifen, von denen das Dutzend 
3 Rmk. kostet, bis zu Prachtstücken um 1000 Rmk., waren alle 
Zwischenarten vertreten, zu verschiedenen Preisen, für verschiedene 
Länder, verschiedene Liebhaber, ja selbst für verschiedene Altersclassen 
berechnet. Auf letztere Verschiedenheit haben theilweise angebrachte 
Embleme hingewiesen, bei deren Darstellung es allerdings manchmal 
mehr auf „derbe“ Naturwahrheiten als auf ästhetische Formen ab 
gesehen zu sein schien. 
Von einzelnen Ausstellern haben wir in erster Linie Franz Hiess 
aus Wien zu nennen, der das Beste geboten hat, was wohl in diesem 
Fache geleistet werden kann. Seine Ausstellung hat Alles enthalten, 
was in der weitverzweigten Fabrikation von Rauchrequisiten über 
haupt hergestellt werden kann, und wir glauben nicht zu viel zu be 
haupten, wenn wir annehmen, dass jeder Raucher entzückt ge 
wesen ist, wenn ihm der Anblick dieser Sachen vergönnt war. Wir 
fanden da Cigarren- und Cigarrettenspitzen, von der einfachsten 
meistens bei uns in Deutschland gebräuchlichen Art bis zu den fein-
	        
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