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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

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Gruppe X. Kurzwaaren. 
sten ausgesuchtesten Stucken aus citronenfarbigem Bernstein, welche 
wegen der Rarität ihrer Farbe einen verhältnissmässig grossen Werth 
besitzen und in der Türkei in den vornehmen Kreisen sehr beliebt 
sind. Glatte Pfeifen mit Bernstein angesetzt in vielen Formen, wie 
sie für England und Frankreich, Köpfe mit Rohren, wie sie für Ame 
rika verlangt werden, auch noch beschlagene Rauchköpfe, sogenannter 
Ulmerfagon, wie sie Vielen von uns, von unseren Vätern und Gross 
vätern her noch lebhaft im Gedächtniss sind, waren in grosser Aus 
wahl vorhanden. 
Besonderer Erwähnung verdient seine reiche Auswahl von Bild 
hauerarbeiten aus Meerschaum, Pfeifen mit Figuren am Kopf und auf 
dem Stiel, als Charakterköpfe aller Menschenracen, Thierköpfe ver 
schiedenster Gattungen naturgetreu geschnitzt, die in Ausführung und 
Vollendung der Arbeit nichts zu wünschen übrig Hessen. 
Ausser diesen Rauchgeräthen brachte Hiess eine reiche Auswahl 
von Kunstschnitzereien, Schmuckgarnituren für Damen aus Bernstein, 
auch ein vollständiges Schachspiel, dessen eine Partie der Figuren aus 
ganz hellem, klarem, die andere aus trübem Bernstein kunstvoll ge 
dreht war. 
Aehnliches, jedoch nicht in so ausgedehntem Maasse, hatten auch 
die übrigen Wiener Meerschaumwaaren-Fabrikanten ausgestellt; haupt 
sächlich sind hier die originellen Schnitzarbeiten von Hermann 
Flöge und August Kloger, sowie die sauberen Bernsteinarbeiten 
von Leopold Nagl und Heinrich Eyer’s Söhne lobend hervor 
zuheben. Ein Kronleuchter ganz aus Bernstein gefertigt, von der be 
kannten Firma Ludwig Hartmann & Eidam, in der Rotunde 
ausgestellt, fand viele Bewunderung. Einzelne Wiener Aussteller, wie 
Franz Hess (vormals Beisigl & Hess), von denen wir schon im 
Jahre 1867 in Paris Mustergiltiges gesehen, waren gegen unsere Er 
wartungen bei dem diesmaligen Völkerwettkampfe auf dem Felde der 
Industrie zurückgeblieben. 
Um die Fabrikation der Massameersckaumpfeifen hat sich Ar 
nold Tr ebitsch in Wien ganz ausserordentliche Verdienste erwor 
ben, wie über seine Ausstellung auch nur eine Stimme der Anerken 
nung herrschte. Sie war bis in die kleinsten Details gut durchgeführt. 
Die Qualität seiner ausgestellten Gegenstände war so vortrefflich, dass 
es eines sehr geübten Auges bedurfte, diese Massafabrikate von jenen 
aus echtem Meerschaum zu unterscheiden. Wir dürfen nicht uner 
wähnt lassen, dass Tr ebitsch der erste Fabrikant in Wien war, wel 
cher Mädchen zhr Fabrikation von Pfeifen heranzog; ein Fortschritt, 
der alsbald auch von allen seinen Concurrenten ausgenutzt worden ist, 
und durch den gegenwärtig viele Hunderte weiblicher Hände dauernde 
und lohnende Beschäftigung finden.
	        
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