624 Gruppe X. Kurzwaaren.
gen eingeführt, woselbst er bis dahin keinen Vertreter hatte. Sie haben
das Verdienst, dass bei ihren Waaren neben untadelhafter Qualität die
Eleganz und die Eigentümlichkeiten des französischen Fabrikats zum
Ausdruck gebracht sind, und wir glauben, dass wenn diesen Leuten
Hdfsat beiter und Materiale aus ersten Quellen, ebenso wie den Wiener
Fabrikanten, zu Gebot ständen, sie den letzteren eine fühlbare Concur-
renz würden bereiten können.
Wir wollen bei dieser Veranlassung eines weiteren Artikels in
dieser Branche erwähnen, der, ebenfalls französischen Ursprungs, seit
einigen Jahren auch auf deutschen Boden verpflanzt worden ist, und
von dem wir bereits hervorragende Leistungen in der Ausstellung
eines deutschen Fabrikanten zu constatiren hatten. Es sind dieses die
Pfeifen aus Bruyereholz (der Staude des Haidekrauts) gefertigt, welche
schon seit längerer Zeit in St. Claude (Jura) und Umgegend in grossen
Massen gefertigt werden, und ihren Absatz zu zwei Drittel nach Eng
land und ein Drittel nach Frankreich, Belgien und Amerika finden.
Gebhard Ott in Nürnberg, der die Fabrikation dieser Pfeifen wäh
rend eines vieljährigen Aufenthaltes in Frankreich gründlich kennen
gelernt hat, begann vor kaum sechs Jahren ein Geschäft mit dem
Artikel in Nürnberg mit 3 bis 4 Gehülfen, und heute beschäftigt der
selbe nicht allein nahezu 100 Arbeiter, sondern es hat sich neben ihm
noch nahezu ein Dutzend anderer Fabrikanten in Nürnberg und Fürth
etablirt, die nach und nach alle aus seinem Atelier hervorgegangen
sind. Ott hatte, wie schon oben angedeutet, seiner würdig, eine Muster-
collection der gangbarsten Sorten Bruyerepfeifen zur Anschauung
gebracht. Auf gleicher Stufe mit ihm sind nur noch Gebrüder Hoch-
apfel m Strassburg zu betrachten, deren Etablissement ausser Pfeifen
in Bruyereholz solche auch von rheinischem Weichselholz gefertigt,
lieferte. Es war zu bedauern, dass die ganze Mustercollection dieser
renommirten »Firma bei dem Brande des Elsässer Bauernhauses dem
k euer vollständig mit zum Opfer fiel, und daher vielen Besuchern, die
erst nach dem 1. August zur Ausstellung kamen, die Gelegenheit be
nommen war, sich von den Fortschritten eines Industriezweiges zu
überzeugen, der nicht wenig Menschenhände in dem neuen deutschen
Keichslande beschäftigt.
Die Chinesen und Japanesen erfreuen sich des Rufes, die besten
Elfenbeingraveure der Welt zu sein; sie haben diesen Ruf auf der
Wiener Weltausstellung gerechtfertigt. Die ausgestellten Arbeiten
waren Proben von Geduld, Ausdauer und Handfertigkeit, von denen
wir Europäer uns keinen Begriff machen können, vielleicht nicht einmal
einen Begriff machen möchten; dabei ist der Verdienst eines solchen ~
Elfenbeinkünstlers so gering, dass ein fleissiger geschickter Mann, der
mit einigen Lehrlingen arbeitet, pro Monat nur für 20 bis 60 Rmk.