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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

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I. Kunstgewerbe. 
Waaren zum Verkaufe bringt. Die besten japanesischen Arbeiten wer 
den in Teddo gemacht; recht gute auch in Kioto, der alten Hauptstadt. 
Für den eigenen Markt fertigt man in Japan hauptsächlich Schmuck 
kästchen für vornehme Damen in Form von Schränken mit Doppel- 
thüren, inwendig mit Schubladen, dann Kästchen und Dosen, ferner 
Pinselbecher zum Hineinstellen von Schreib- und Malpinsel, kleine 
Figuren, durchbrochene Kugeln zum Durchziehen von Schnüren, Spiele 
und viele andere ähnliche Gegenstände; für den europäischen Markt 
werden Visitenkartenetuis, Schachspiele, Brochen, Knöpfe etc. in grosser 
Menge gefertigt. 
Die Herstellung der Elfenbeinwaaren geschieht durch Gravirung und 
Schnitzarbeit, durch Bemalen mit Back und Goldpulver, welches als 
dann äusserst fein ausgeführte Reliefbilder in Gold liefert, und endlich 
durch Einlagen mit grün oder roth gefärbtem Elfenbein, Schildpatt, 
rothen Korallen, Perlmutter. Meistens sind es Blumen oder land 
schaftliche Sujets, fast immer mit grosser Sorgfalt ausgeführt, und so 
wohl inZeiehnuug wie Farbe und Wirkung oft von künstlerischer Voll 
endung. Die Pinselbecher, welche meistens nur das untere abgeschnit 
tene Ende eines Elephantenzahns ohne weitere Formveränderung sind, 
werden häufig geschnitzt, und es stellen die Zeichnungen alsdann ge 
wöhnlich Figuren oder Scenen aus den japanischen Heldengeschichten 
und Legenden oder auch wohl komische Scenen dar. 
Ganz vorzügliche Schnitzereien sind kleine Figuren von Netsuke 
von 3‘75 bis 5 cm Höhe, Thiere oder Gegenstände aus der unbelebten 
Natur, wie Blätter, Blumen u. s. w. Die Figuren sind einzelne oder 
auch Gruppen, Helden- und Frauengestalten, Scenen aus dem gewöhn 
lichen Leben, welche oft mit ausserordentlich viel Humor behandelt 
sind,, während die Gegenstände aus der unbelebten Natur mit grosser 
Genauigkeit nachgebildet sind, ohne dabei im Geringsten steif zu er 
scheinen. Wer japanische Kunst studiren will, darf es nicht versäu 
men, diesen Natsuke’s besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Inter 
essant ist der Vergleich mit den bekannten chinesischen Schnitzereien, 
welche nur zu oft ein blosser Haufen von häufig wiederholten land 
schaftlichen und anderen Scenerien sind, bei denen man wohl die 
Ueberwindung technischer Schwierigkeiten bewundern kann, die 
aber in Bezug auf künstlerische Auffassung, Lebendigkeit und Aus 
druck, sowie Klarheit der Absicht des Künstlers den japanischen weit 
nachstehen, während letztere ebenfalls von einer grossen technischen 
Fertigkeit zeugen. 
Wichtig für die schöne Welt Japans sind Kopfputze aus Schild 
patt, dem einzigen Schmucke der dortigen Mädchen und Frauen. Es 
wird hierzu nur das helle, möglichst durchscheinende Schildpatt ge 
braucht, und je weisser und durchsichtiger dasselbe ist, desto höher 
steht es im Preise. Dieser Kopfputz besteht aus etwa 16 cm langen, 
Wiener Weltausstellung. III. 2.
	        
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