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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

626 Gruppe X. Kurzwaaren. 
zweizinkigen, am oberen Ende oft mit Blumen verzierten Nadeln, welche 
ganz aus Schildpatt angefertigt sind, sowie aus einem ganz geraden, 
etwa fingerdicken vierkantigen Stabe von 21 bis 26cm Länge, ganz 
aus Schildpatt, der hinten am Oberkopfe quer durch das Haar ge 
steckt wird. Aus den rohen Schalen der Schildkröten werden die 
hellen Stellen herausgeschnitten, wenn nöthig zwischen warmen Eisen 
platten gepresst, um sie gerade zu richten; kurz die Verarbeitung ge- j 
schieht nach ähnlichem Verfahren wie bei uns, nur mit etwas roheren 
Werkzeugen. Beim Zusammenlöthen von Platten werden diese zuerst 
mit Eiweiss auf einander geklebt, zwischen Brettchen gelegt, in eine 
Klemmzange gesteckt und vorsichtig über Feuer erwärmt, wobei die 
Zange immer fester zusammengespannt wird. Auch lässt man, die Ge 
genstände wohl eine Stunde lang in Sesamöl sieden, um ihnen eine ] 
bessere Farbe und höheren Glanz zu geben. Der Werth der oben er 
wähnten langen Haarstäbe ist sehr verschieden, je nach der Grösse, 
Farbe, Durchsichtigkeit, und je nachdem sie aus wenigen oder vielen 
Stäben zusammengelöthet sind; er soll sich bis zu 1000 Rmk. ver 
steigern 
Zum Schlüsse dieses Abschnittes haben wir noch die Schmuck- 
fachen aus unedelen Metallen, mit Steinen und anderen Materialien 
garnirt, zu erwähnen. Die Pariser Industrie, Welche die Bijouterie 
fausse in bedeutenden Quantitäten erzeugt,, ist auch in Qualität noch 
nicht vom Auslande übertroffen worden; die meisten Arbeiten sind 
geschmackvoll und ausserordentlich billig und daher in der ganzen 
Welt bekannt und geschätzt. 
Neben Frankreich concurrirt Deutschland, besonders die Gegend 
um Oberstein, mit gut gearbeitetem Schmucke. Der bekannte Achat ; 
wird dort gefunden und hübsch gefasst; auch die aus Südamerika und 
Ostindien bezogenen Bergkrystalle finden daselbst ihre Verwendung 
und sind überall sehr gesucht. E. Gottlieb in Oberstem und F. Heydt j 
in Idar haben durch ihre Ausstellungen den Stand der dortigen Indu 
strie bestens repräsentirt und schön und gut ausgeführte Arbeiten 
aus Achat, (achtem) Onyx, Krystall, Malachit, Jaspis, Topas etc. ge 
bracht. Besondere Anerkennung fanden ihre gravirten Steihcameen 
mit Gruppen, Portraits und Phantasieköpfen. 
Mit Deutschland rivalisirt Oesterreich mehr in der billigen Bijou 
terie fausse; die übrigen Länder stellten wenig aus; sie fabriciren in 
diesem Artikel Unbedeutendes und beziehen denselben meist aus Paris, j 
Dagegen liefert Böhmen von unechtem Geschmeide die bekann 
ten Glasschmuckwaaren, als Brochen, Ohrbehänge, Bracelets, Holz 
ketten etc., die hauptsächlich ihrer Billigkeit halber viel Liebhaber 
finden. Die Collectivausstellung der nordböhmischen Glas- und Kurz- 
waarenindustrie in Gablonz, Wiesenthal, Morchenstern, Tiefenbach und
	        
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