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I. Kunstgewerbe.
Polaun hat durch die Arbeiten von 40 verschiedenen Ausstellern die
sen Industriezweig in anerkennungswerther Weise zur Anschauung
gebracht; die gleichen Fabrikate sind von W. Katzer in Grulich und
von Franz Bergmann in Gablonz ausgestellt worden und ehrenvoll
zu erwähnen. Böhmische und venetianische Perlen in sehr guter
Waare brachte F. A. Hellmich’sEidam in Wolfersdorf; endlich erwäh
nen wir noch Eduard Zink in Liebenau, der als Specialität Prismen
zu Glaslüstres ausgestellt hatte und ebenfalls vortreffliche Arbeiten
lieferte.
3. Lackirte und gemalte Gegenstände
aus Blech, Holz und Papiermache; Fächer und Schirme.
An die Spitze der Lackwaarenfabrikation haben wir ohne allen
Zweifel China und Japan zu stellen, denn selbst in dem Falle, dass
die Ausstellung dieser beiden Länder auch nicht so vieles Ausgezeich
nete gebracht haben würde, was seiner wirklich technischen Vollendung
wegen der eingehendsten Betrachtung werth war, so würde schon die
allgemeine Anerkennung, welche diese Fabrikate in Europa finden,
genügen, um die besondere Aufmerksamkeit auf dieselben zu lenken.
Zur richtigen Würdigung dieser Leistungen und hauptsächlich
zur Beurtheilung der Frage: ob die Einführung der chinesisch-japa-
nesischen Laekirmanier auch unter europäischen Verhältnissen möglich
sein würde, sei es uns hier gestattet, den nachstehenden Bericht über
Gewinnung und Anwendung des Lacks in Japan, den wir der freund
lichen Mittheilung des Herrn Professors Wagner in Yeddo zu ver
danken haben, hier einzuschalten.
„Der japanische Lack ist der Saft von Rhus vernia oder vernici-
fera, einer Baumart, welche dem japanischen Wachsbaume, Rhus succe-
danea, in jeder Beziehung sehr ähnlich ist und sich eigentlich nur
durch grössere Blätter davon unterscheidet. Beide Bäume liefern das
sogenannte japanische Wachs, welches aus den Früchten gepresst wird.
Der Lack ist nichts Anderes als der Saft des ersten Baumes und
die Manipulationen, welche damit vorgenommen werden, um ihn für
die Verwendung fertig zu machen, sind so geringfügiger Art, dass von
einer eigentlichen Fabrikation gar nicht die Rede sein kann. Das
Abzapfen des Saftes geschieht vom fünften japanischen Monat bis Ende
des zehnten Monats, d. h. etwa von Juni bis in den November hinein
und zwar auf folgende Weise:
Die ersten Einschnitte, wenn die Saison beginnt, fangen etwa 16 cm
über der Erde an und sind ungefähr 2'5 cm von einander entfernt, abwech
selnd an beiden Seiten des Stammes bis zum Beginn der Zweige an-
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