MAK

Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

627 
I. Kunstgewerbe. 
Polaun hat durch die Arbeiten von 40 verschiedenen Ausstellern die 
sen Industriezweig in anerkennungswerther Weise zur Anschauung 
gebracht; die gleichen Fabrikate sind von W. Katzer in Grulich und 
von Franz Bergmann in Gablonz ausgestellt worden und ehrenvoll 
zu erwähnen. Böhmische und venetianische Perlen in sehr guter 
Waare brachte F. A. Hellmich’sEidam in Wolfersdorf; endlich erwäh 
nen wir noch Eduard Zink in Liebenau, der als Specialität Prismen 
zu Glaslüstres ausgestellt hatte und ebenfalls vortreffliche Arbeiten 
lieferte. 
3. Lackirte und gemalte Gegenstände 
aus Blech, Holz und Papiermache; Fächer und Schirme. 
An die Spitze der Lackwaarenfabrikation haben wir ohne allen 
Zweifel China und Japan zu stellen, denn selbst in dem Falle, dass 
die Ausstellung dieser beiden Länder auch nicht so vieles Ausgezeich 
nete gebracht haben würde, was seiner wirklich technischen Vollendung 
wegen der eingehendsten Betrachtung werth war, so würde schon die 
allgemeine Anerkennung, welche diese Fabrikate in Europa finden, 
genügen, um die besondere Aufmerksamkeit auf dieselben zu lenken. 
Zur richtigen Würdigung dieser Leistungen und hauptsächlich 
zur Beurtheilung der Frage: ob die Einführung der chinesisch-japa- 
nesischen Laekirmanier auch unter europäischen Verhältnissen möglich 
sein würde, sei es uns hier gestattet, den nachstehenden Bericht über 
Gewinnung und Anwendung des Lacks in Japan, den wir der freund 
lichen Mittheilung des Herrn Professors Wagner in Yeddo zu ver 
danken haben, hier einzuschalten. 
„Der japanische Lack ist der Saft von Rhus vernia oder vernici- 
fera, einer Baumart, welche dem japanischen Wachsbaume, Rhus succe- 
danea, in jeder Beziehung sehr ähnlich ist und sich eigentlich nur 
durch grössere Blätter davon unterscheidet. Beide Bäume liefern das 
sogenannte japanische Wachs, welches aus den Früchten gepresst wird. 
Der Lack ist nichts Anderes als der Saft des ersten Baumes und 
die Manipulationen, welche damit vorgenommen werden, um ihn für 
die Verwendung fertig zu machen, sind so geringfügiger Art, dass von 
einer eigentlichen Fabrikation gar nicht die Rede sein kann. Das 
Abzapfen des Saftes geschieht vom fünften japanischen Monat bis Ende 
des zehnten Monats, d. h. etwa von Juni bis in den November hinein 
und zwar auf folgende Weise: 
Die ersten Einschnitte, wenn die Saison beginnt, fangen etwa 16 cm 
über der Erde an und sind ungefähr 2'5 cm von einander entfernt, abwech 
selnd an beiden Seiten des Stammes bis zum Beginn der Zweige an- 
40*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.