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Gruppe X. Kurzwaaren.
gebracht, wohin der Arbeiter gewöhnlich reichen kann. Sie werden
mit einem gekrümmten Messer gemacht und bilden eine horizontale
Kille um den halben Stamm. Das spitze Ende des Messers dient
dazu, den Boden der Rille der ganzen Länge nach durch einen feinen
Schnitt bis auf den Stamm zu öffnen. Sogleich beginnt der Saft in
einzelnen Tropfen aus den weiten Poren der Rinde und dem Einschnitt
im Boden der Rille herauszuquellen; er ist wasserhell untermischt
mit einem besonders aus den Poren der Rinde quellenden schneeweissen
Milchsäfte. Der Saft quillt aber keineswegs reichlich, wird an
der Luft sehr rasch dicklich und färbt sich dunkel; nach 3 oder 4 Tagen
ist die Rille mit einer dickflüssigen, aussen dunkelbraunen, innen
graulich weissen Masse angefüllt, welche der Arbeiter mit einer Spatel
abnimmt; am Gürtel trägt er eine kleine Büchse aus Bambus, auf
deren scharfem Rande er den Lack abstreift. Von einem Einschnitt
bekommt er etwa das Volumen einer Erbse oder Böhne und erst wenn
eine ziemliche Quantität abgestreift ist, beginnt der Lack an den
Wänden der Büchse entlang zu fliessen und diese füllt sich nach und
nach. Ehe der Arbeiter den Baum verlässt, macht er über und
unter jeden der früheren Einschnitte wieder einen neuen, so dass
letztere im Laufe der Saison immer näher zu einander rücken und der
Baumstamm gegen den zehnten Monat ganz mit Einschnitten bedeckt
ist. Schliesslich, im zehnten Monat, nachdem man die Wachsfrüchte
hat reifen lassen, wird der Baum abgehauen; die Zweige werden zu
Bündeln vereinigt und ins Wasser gestellt. Jetzt werden die Zweige
in Schraubenlinien nur mit der scharfen Spitze des Messers eingeschnitten
und der hervorquellende Lack wird mit einem breiten, oben etwas
gekrümmten Eisen abgestreift, indem man die gekrümmte und etwas
scharfe Kante den schraubenförmigen Einschnitten entlang schiebt.
Der Lack wird in runde hölzerne Schachteln von etwa 23 cm Durchmesser
und 21 cm Höhe gethan; er ist dann gewöhnlich mit einer braunen Haut .
bedeckt und wenn man diese abzieht, so sieht man darunter eine
schmutzige, graulich weisse, dicke Flüssigkeit, untermischt mit kleinen
Bruchstücken von Rinde u. s. w. Der Lack, so wie er da ist, ohne
weitere Präparation, kann sofort gebraucht werden.
Hinsichtlich der verschiedenen Arten von Lack (jap. Urushi)
machen die Japaner einen wesentlichen Unterschied zwischen dem
Product der verschiedenen Jahreszeiten. Die ersten drei oder vier Monate
der Saison liefern die bessere Qualität, welche mit dem Namen Hayaurushi
(Frühlack) bezeichnet wird; dieser Lack ist dünnflüssiger als
der spätere, lässt sich besser mit Farben vermischen und verarbeiten,
nimmt auch feineren Glanz an und kann in dünnen Schichten aufgetragen
werden. Der spätere Lack heisst Ura-urushi (d. h. Grundirlack
oder Lack für die Rückseite, weil er meistens uicht für die oberen
Schichten der lackirten Sachen gebraucht wird). Der Lack aus den