Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

628

Gruppe  X.  Kurzwaaren.
gebracht,  wohin  der  Arbeiter  gewöhnlich  reichen  kann.  Sie  werden
mit  einem  gekrümmten  Messer  gemacht  und  bilden  eine  horizontale
Kille  um  den  halben  Stamm.  Das  spitze  Ende  des  Messers  dient
dazu,  den  Boden  der  Rille  der  ganzen  Länge  nach  durch  einen  feinen
Schnitt  bis  auf  den  Stamm  zu  öffnen.  Sogleich  beginnt  der  Saft  in
einzelnen  Tropfen  aus  den  weiten  Poren  der  Rinde  und  dem  Einschnitt
im  Boden  der  Rille  herauszuquellen;  er  ist  wasserhell  untermischt
mit  einem  besonders  aus  den  Poren  der  Rinde  quellenden  schneeweissen
  Milchsäfte.  Der  Saft  quillt  aber  keineswegs  reichlich,  wird  an
der  Luft  sehr  rasch  dicklich  und  färbt  sich  dunkel;  nach  3  oder  4  Tagen
ist  die  Rille  mit  einer  dickflüssigen,  aussen  dunkelbraunen,  innen
graulich  weissen  Masse  angefüllt,  welche  der  Arbeiter  mit  einer  Spatel
abnimmt;  am  Gürtel  trägt  er  eine  kleine  Büchse  aus  Bambus,  auf
deren  scharfem  Rande  er  den  Lack  abstreift.  Von  einem  Einschnitt
bekommt  er  etwa  das  Volumen  einer  Erbse  oder  Böhne  und  erst  wenn
eine  ziemliche  Quantität  abgestreift  ist,  beginnt  der  Lack  an  den
Wänden  der  Büchse  entlang  zu  fliessen  und  diese  füllt  sich  nach  und
nach.  Ehe  der  Arbeiter  den  Baum  verlässt,  macht  er  über  und
unter  jeden  der  früheren  Einschnitte  wieder  einen  neuen,  so  dass
letztere  im  Laufe  der  Saison  immer  näher  zu  einander  rücken  und  der
Baumstamm  gegen  den  zehnten  Monat  ganz  mit  Einschnitten  bedeckt
ist.  Schliesslich,  im  zehnten  Monat,  nachdem  man  die  Wachsfrüchte
hat  reifen  lassen,  wird  der  Baum  abgehauen;  die  Zweige  werden  zu
Bündeln  vereinigt  und  ins  Wasser  gestellt.  Jetzt  werden  die  Zweige
in  Schraubenlinien  nur  mit  der  scharfen  Spitze  des  Messers  eingeschnitten ­
  und  der  hervorquellende  Lack  wird  mit  einem  breiten,  oben  etwas
gekrümmten  Eisen  abgestreift,  indem  man  die  gekrümmte  und  etwas
scharfe  Kante  den  schraubenförmigen  Einschnitten  entlang  schiebt.
Der  Lack  wird  in  runde  hölzerne  Schachteln  von  etwa  23  cm  Durchmesser
und  21  cm  Höhe  gethan;  er  ist  dann  gewöhnlich  mit  einer  braunen  Haut  .
bedeckt  und  wenn  man  diese  abzieht,  so  sieht  man  darunter  eine
schmutzige,  graulich  weisse,  dicke  Flüssigkeit,  untermischt  mit  kleinen
Bruchstücken  von  Rinde  u.  s.  w.  Der  Lack,  so  wie  er  da  ist,  ohne
weitere  Präparation,  kann  sofort  gebraucht  werden.
Hinsichtlich  der  verschiedenen  Arten  von  Lack  (jap.  Urushi)
machen  die  Japaner  einen  wesentlichen  Unterschied  zwischen  dem
Product  der  verschiedenen  Jahreszeiten.  Die  ersten  drei  oder  vier  Monate
der  Saison  liefern  die  bessere  Qualität,  welche  mit  dem  Namen  Hayaurushi
  (Frühlack)  bezeichnet  wird;  dieser  Lack  ist  dünnflüssiger  als
der  spätere,  lässt  sich  besser  mit  Farben  vermischen  und  verarbeiten,
nimmt  auch  feineren  Glanz  an  und  kann  in  dünnen  Schichten  aufgetragen ­
  werden.  Der  spätere  Lack  heisst  Ura-urushi  (d.  h.  Grundirlack
  oder  Lack  für  die  Rückseite,  weil  er  meistens  uicht  für  die  oberen
Schichten  der  lackirten  Sachen  gebraucht  wird).  Der  Lack  aus  den
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.