Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

632

Gruppe  X.  Kurzwaaren.
Mno-kami  (Papier)  oder  Zeug  beklebt,  welches  mit  Lack  beschmiert
ist.  Dies  gibt  eine  ausserordentlich  starke  Verbindung  und  da  die
Lackschichten  dick  aufgetragen  werden,  so  werden  diese  Stellen  vollständig ­
  bedeckt  und  wegen  des  Abpolirens  bemerkt  man  sie  von  aussen ­
  absolut  gar  nicht.  Um  den  feinen  Lack  möglichst  gleichmässig
und  doch  dünn  aufzutragen,  bedienen  sich  die  Japaner  ausser  der
Spatel  (hera)  noch  eines  flachen,  sehr  steifen  Pinsels  (hakke),  den  man
wie  einen  Bleistift  schneiden  kann  und  welcher  mit  starkem  Druck
immer  in  einem  Strich  über  die  ganze  Länge  oder  Breite  der  Fläche
hingeführt  wird.  Ausserdem  tragen  sie  Sorge,  dass  der  Lack  gar
keine  harten  Theilchen  irgend  welcher  Art  enthält,  was  vermittelst  des
Yoshino-Tcami  geschieht.  Ein  Stück  dieses  Papiers  (21  cm  lang  und  21  cm
breit,  ungefähr)  wird  auf  das  Arbeitskraft  gelegt  und  mit  der  Spatel
eine  geringe  Menge  Lack  auf  die  Mitte  der  einen  Kante  gebracht;
dann  rollt  man  das  Papier  wie  eine  Cigarette  auf,  dreht  die  beiden
Enden  in  entgegengesetzter  Pachtung,  als  wollte  man  das  Papier  ausringen. ­
  Der  Lack  quillt  nun  durch  das  Papier  hindurch  und  fällt  auf
eine  reine  Stelle  des  Arbeitsbrettes.  Um  den  letzten  Rest  vom  Papier
abzustreifen,  nimmt  der  Arbeiter  das  Ende  des  Papiers  in  den  Mund,
dreht  mit  der  einen  Hand  weiter  und  streift  den  Rest  des  Lacks  mit
der  Spatel  ab.  Nun  arbeitet  er  den  Lack  noch  ein  wenig  mit  der
Spatel  durch  und  streicht  ihn  auf.  Dasselbe  Verfahren  findet  auch  bei
dem  farbigen  Lack  statt,  welchen  der  Arbeiter  oft  selbst  nach  Bedürfniss
  bereitet,  indem  er  auf  dem  Arbeitsbrett  das  farbige  Pulver,  Ocker
(Bengara)  oder  Zinnober  (Shico),  mit  dem  Lack  vermischt,  bis  absolut
keine  Körner  mehr  zu  entdecken  sind;  dann  wird  dieser  gefärbte  Lack
ebenfalls  durch  Yoshino-kami  in  der  oben  beschriebenen  Weise  gepresst. ­

Unter  den  japanischen  Lackarbeiten  finden  wir  die  feinsten  Miniaturgemälde ­
  und  die  simpelsten  Topfmalereien.  Aber  selbst  das
blosse  Lackiren  einer  Fläche  ohne  jede  Malerei  bietet  grosse  Unterschiede, ­
  je  nach  der  Anzahl  und  Bearbeitung  der  einzelnen  Schichten.
Die  Kenner  unter  den  Japanern  bezahlen  für  gute  Sachen  auch
sehr  hohe  Preise,  und  die  Fremden,  welche  sich  aus  Unkenntniss  über
die  Forderungen  entsetzen,  haben  der  Lackindustrie  insofern  geschadet,
als  wirklich  vollendet  schöne  feine  Sachen,  welche  den  alten  gleichstehen, ­
  gar  nicht  mehr  gemacht  werden;  auf  der  anderen  Seite  freilich
haben  sie  den  billigeren  Sachen  einen  grossen  Markt  eröffnet.  Die
alten  schönen  Sachen  haben  meistens  auch  einen  wirklichen  Goldwerth,
der  so  bedeutend  ist,  dass  derartige  Dinge,  wenn  man  nicht  den  verlangten ­
  Preis  bekommen  konnte,  einfach  zerschlagen  und  verbrannt
werden,  um  aus  der  Asche  das  Gold  herauszuschmelzen.
Wegen  der  emailartigen  Härte,'  welche  der  Lack  mit  der  Zeit  erlangt, ­
  spielt  derselbe  auch  bei  den  alten  Panzerstücken  der  Japaner
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.