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I. Kunstgewerbe.
eine grosse Bolle. Arm- und Beinschienen bestehen häufig nur aus
stark lackirtem dünnem Leder; auch gibt es runde Hüte, welche aus
einzelnen über einander geklebten Papierblättern bestehen, schliesslich
lackirt sind und auf denen jeder Schwerthieb abgleiten soll.
Ausser für Holz gebrauchen die Japaner ihren Lack auch zum
Lackiren von Porzellan und Metall. Man hört wohl die Ansicht, das
lackirte Porzellan sei eigentlich fehlerhaft und nur deshalb lackirt, um die
Fehler zu verdecken und das Porzellan verkaufbar zu machen; dem ist
aber keineswegs so. Das Porzellan wird eigens zu dem Zweck gemacht
und zwar werden die Stellen, welche lackirt werden sollen, ohne Glasur
gelassen, damit der Firniss besser hafte.
Unter den vielerlei Arten von lackirten Gegenständen wollen wir
schliesslich noch folgende erwähnen. Auf eine Fläche werden ver
schiedenfarbige Schichten von Lack bis zu einer Dicke von 3'25 bis
4-5 mm aufgetragen und dann tiefe Arabesken mit geneigten Böschun
gen hineingravirt, auf welchen letzteren alsdann die verschiedenen
Farben der Schichten in Linienform hervortreten.
Ebenso werden Zeichnungen von Blumen u. s. w. in einer dicken
Schicht von rothem Lack dadurch hervorgebracht, dass man die Zwischen
räume herausgravirt; dies scheint eine chinesische Erfindung zu sein,
wenigstens werden chinesische Producte dieser Art von den Japanern
sehr hoch geschätzt und letztere ahmen in diesem Lack fast immer
chinesische Zeichnungen nach. Schwertscheiden, welche meistens mit
besonderer Sorgfalt lackirt werden, sind oft mit der rauhen und
höckerigen Haut des Haifisches überzogen, nachdem letztere abgeriebeu,
bis sie weiss geworden. Diese höckerige Fläche wird nun lackirt und
dann abgeschliffen, wobei die kreisrunden Gipfel der Höcker auf dem
lackirten Grunde hervortreten, was einen sehr hübschen Effect macht.
Bisweilen auch ist die letzte Schichte ein ziemlich dickflüssiger zäher
Lack, welcher ehe er hart ist, mit einem groben Zeuglappen betupft
wird, wobei der Lack sich stellenweise hebt und stehen bleibt, so dass
er eine rauhe Oberfläche bildet.“
Wir ersehen aus dem vorstehenden Berichte, in welch’ detailirter
Weise in Japan (das chinesische Fabrikationsverfahren ist demselben
ebenfalls ziemlich gleich) zu Werke gegangen wird und kommen hier
durch zur Ueberzeugung, dass selbst für den Fall, dass es möglich
werden würde, lackschwitzende Bäume auch nach Euiopa zu verpflan
zen, die Einführung des japanischen Lackirverfahrens daselbst doch
nie ein lohnender Fabrikationszweig werden würde; denn während der
europäische Fabrikant sein ganzes Bestreben darauf richtet, in mög
lichst kurzer Zeit auf die vortheilhafteste Weise zu fabriciren und die
Kosten seiner Einrichtung und seines Betriebs durch möglichste Stei-
«rerung seiner Production zu verringern, finden wir in Japan den ein
zelnen Mann, der zwar mit unermüdlichem Fleisse und staunenswerther