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I. Kunstgewerbe.
In Spanien ist mit der Einführung der Fächerfabrikation schon
vor 30 Jahren begonnen worden, dieselbe hat aber dort noch keinen
hohen Grad von Yollkommenheit erreicht. Es wurden auch auf der Aus
stellung nur billigere Fabrikate zur Geltung gebracht. Die bedeutend
sten Aussteller waren II. Masaguer in Barcelona, J. F. laionchel
& Comp, in Valenzia, Jose y Pascual Lopez in Madrid etc.
Die österreichische resp. Wiener Fächerfabrikation liefert voi -
nehmlich die sogenannten „eventails brises“. Dies sind keine Blatt
fächer, sondern Fächer mit massiven Aussentheilen mit Fächerstähchen,
die aus Elfenbein, Knochen, Schildpatt, Perlmutter, Holz, Leder etc.
bestehen, und am Kopfe durch einen sogenannten „Dorn 1- zusammen
gehalten werden. Am oberen Ende sind dieselben mittelst eines Ban
des verbunden, das die einzelnen Stäbchen heim Oeffnen und Schliessen
zusammenhält. Die Wiener sind in diesem Genre von Fächern sehr ^
vorangeschritten. Das Innere bedecken sie mit Blumen und Figuren,
und verzieren den Stil mit farbigen Steinen und Bijouterie von hüb
schem Effect. Durch diese Garniruug erhalten die fächer jedoch ein
lästiges Gewicht, worüber die Damen klagen. — Diese eventails brises
bilden eine Specialität der Wiener Fächerfabrikanten. Der im Ver
gleich mit dem Pariser Verdienste verhältnissmässig niedere Arbeits
lohn ermöglicht eine Ausfuhr dieser Wiener Fächer selbst nach Paris.
Dagegen können die Wiener, was die Blattfächer betrifft, in vol
lendeter Arbeit, Geschmack und Musterauswahl noch nicht mit den
Parisern concurriren, demungeachtet aber sind die Erfolge, welche die
Fächerfabrikation in Wien seit der kurzen Zeit ihres Entstehens erzielt
hat, und die Schnelligkeit, mit der sich dieser Industriezweig daselbst
einbürgerte, in vollster Weise anzuerkennen.
Unter den vielen Wiener Fächerfabrikanten haben wir besonders her
vorzuheben: Franz Dinzl & Sohn mit Promenade- und Ballfächern,
Herrn. Fried & Comp, mit seidenen und bemalten Fächern, Joh.
Kaiser mit Fächern aus Holz und Seide, Traugott Kramer mit
Holzfächern und Jul. Glocke’s Wittwe mit Holz- und Papierfächern.
Von deutschen Ausstellern müssen wir bei den Fächern nochmals
die schon hei den Elfenbeingravirarbeiten rühmlich erwähnten Ber
liner Fabrikanten H. Müller, Fr. Rosenstiel und H. Schulz auf
führen, deren vorzüglich gearbeitete Elfenbeinfächer auch hinsichtlich
Billigkeit des Preises von keiner Seite übertroffen worden sind.
Die japanesisclien Fächer sind durch den Verkauf von vielen
tausend Stücken an die Besucherinnen der Ausstellung in ganz Europa
verbreitet worden, so dass es einer Beschreibung derselben eigentlich
kaum mehr bedarf. Sie unterscheiden sich von den europäischen Fächern
dadurch, dass die beiden Hauptstäbe etwas federn, und nach innen ge-