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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

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Gruppe X. Kurzwaaren. 
England brachte seine Portefeuilleindustrie nur unvollkommen 
durch einige wenige Aussteller zur Anschauung. Die auf den Aus 
stellungen zu London und Paris geglänzt habenden Firmen fehlten 
gänzlich. Die englische Portefeuillefabrikation geht,-gleich der Offen 
bacher, auf das Praktische, auf die einfache Ausstattung hinaus, pflegt 
aber mit Vorliebe das solid Kostbare und ist dabei, obgleich häufig 
für unseren Geschmack zu schwer und sogar hier und da plump, Mei 
sterin in der Behandlung des Leders, insbesondere in der Lederstep 
perei. Ganz vortrefflich und jeglicher Ooncurrenz überlegen sind die 
für die Portefeuilleindustrie in London fabricirten Schlösser. 
Das russische und das ungarische Portefeuillegewerke haben 
beide für ihre Verhältnisse recht Bedeutendes geleistet. Es ist in 
beiden Ländern ein tüchtiger Anfang in der Branche gemacht, wel 
cher einen guten Fortgang erwarten lässt. Petersburg arbeitet theil- 
weise im Offenbacher, theilweise im Wiener Genre, Pest und andere 
ungarische Städte ausschliesslich im Wiener. Den ausgestellten Er 
zeugnissen sieht man an, dass die Mutterstämme noch nicht zu selbst 
ständigem Leben erstarkt sind, sondern ihre Wurzeln noch im fremden 
Boden stecken haben. 
Amerika, Belgien, Italien haben in Portefeuillewaaren gar 
wenig ausgestellt und ist darüber nichts zu berichten. 
Galanterie-Sattler-Gewerke. 
Vieles von dem vorstehend, bezüglich der Portefeuillefabrikation 
im Allgemeinen, Ausgesprochenen gilt auch für das Galanteriesattler 
gewerke, da letzteres, ob mit der ersteren in denselben Fabriken ver 
einigt, ob selbstständig betrieben, doch stets seine Kichtung durch die 
Portefeuilleindustrie erhält. Die Galanteriesattlerei übernimmt ge- 
mei'nlich die Herstellung jener Portefeuilleartikel, bezüglich welcher es 
sich um grössere Dauerhaftigkeit handelt. Dies ist z. B. der Fall bei 
vielen Sorten von Geld- und anderen Taschen, von Reisesäcken, Cigarren 
etuis und anderen mehr. Die Reisesäcke, mit und ohne Instrumente, 
bilden den weitaus wichtigsten Theil dieses Zweiges. Die hochfeinen 
und feinen Sorten werden vorzugsweise in London und Paris, die mitt 
leren in Wien, die couranten und billigen in Offenbach fabricirt. Was 
wir oben bezüglich des englischen Geschmackes und der englischen 
Lederbearbeitung gesagt haben, bewahrheitet sich auch an den von 
Londoner Fabrikanten ausgestellten Reisesäcken, zwar nur wenige 
Exemplare. In Sattler- oder „gestossenen“ Cigarrenetuis, worin die 
englische Industrie, unterstützt von ihrem vortrefflichen Material (Rinds 
leder), heute noch Meisterin ist, hat unseres Wissens keine Ausstellung 
stattgefunden. Nur Offenbach hat recht Tüchtiges in dieser Branche 
ausgestellt. 
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