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I. Kunstgewerbe.
gen, da die Außenseite, durch welche sie sich selbst empfehlen und
verkäuflich machen könnten, selten dem inneren Werth entspricht.
Deutschland ist unbedingt das Land, das sich der ältesten Spiel-
waarenindustrie rühmen darf, dessen Export die bedeutendsten Ziffern
in dieser Branche nachweist, und das Abnehmer für seine Spielwaaren
auf dem ganzen bekannten Erdenrunde gefunden hat. V on den an c er
Ausstellung betheiligten Firmen hat in Holzspielwaaren J. G. Kusian
in Strassburg das Vorzüglichste geliefert. Das ausgestellte Hauptstuck
war ein elsässischer Hochzeitszug von tadelloser Ausführung, auch die
übrigen Gegenstände, Holz-, Fass- und Güterwagen, Flösse etc., waren
gleich schön und gut in wirklich künstlerischer Weise durchgefuhrt.
Leider hat der Brand des elsässischen Bauernhauses auch diese inter
essante Ausstellung vernichtet. , .
Das vollständigste Bild der ganzen deutschen Spielwaareniabri-
kation gab die Firma G. Söhlke in Berlin. Diese Fabrikation wurde
von dem Vater des jetzigen Besitzers im Jahre 1819 gegründet und
ist seit dieser Zeit durch das vorwiegende Bestreben, stets die besten
Waaren zu liefern, in steigendem Wachsen begriffen. Emen ganz e-
sondern, vorher ungeahnten Aufschwung erhielt die Fabrik vor circa
20 Jahren durch den Eintritt des jetzigen Besitzers, Herrn Commer-
zienrath G‘. Söhlke, der in Folge seiner Erziehung und künstlerischen
Ausbildung im Stande war, ganz neue Dinge zu schaffen, die sowohl
durch correcte Zeichnung wie durch Geschmack, durch Arrangement
und Brauchbarkeit als Spielzeug allseitig Beifall fanden. Diese Vervoll-
kommnungen beförderten nicht allein die Hebung des eigenen Ge
schäfts, sondern sie trugen gleichzeitig zur Verbesserung der übrigen
Spielwaaren wesentlich bei. Missgestaltete Figuren und andere Dinge
mit geschmacklosem Farbenanstrich, fanden bald weniger Abnehmer,
jeder Fabrikant bemühte sich, dem Auge Wohlgefälligeres zu liefern.
Söhlke’s Fabrikate, ob in Zinn, Blech, Pappe oder Holz dienten dabei
als Muster, manchmal auch zur unerlaubten Nachbildung, und so dür
fen wir mit Recht sagen, dass die Söhlke’sehen Fabrikate wohl ebenso
wie in einer anderen Richtung später diejenigen von C. Gross in Stutt
gart eine Veranlassung gewesen sein dürften, um einer neuen Aera
für die Spielwaarenfabrikation Bahn zu brechen. Durch fast jährlich
unternommene Reisen nach England und Frankreich hat die Söhlke -
sehe Fabrik ihre Fabrikate dem Geschmack und den Bedürfnissen jeder
Nation anzupassen gesucht, und mit Sach- und Geschäftskenntmss jeder
Anforderung 'genügt. Diese Handlungsweise brachte das Geschäft aut
seinen jetzigen blühenden Standpunkt, und giebt nun gegen 100 Ar
beitern in den verschiedensten Arten von Beschäftigung dauernden
Unterhalt.
Neben der Fabrik besteht in Berlin unter der gleichen Firma
noch ein Detailgeschäft mit Spielwaaren in einem Bazar aufgestellt,