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I. Kunstgewerbe.
nirgends zu finden ist; Alles ist an denselben vortrefflich: Figuren,
Frisuren, Costüme, selbst die koketten Bewegungen der Demi-monde-
Damen sind meisterhaft nachgeahmt. Jumeau’s Puppen empfehlen
sich deshalb auch mehr zu wirklichen Modellen für Schneider- und
Putzmachergeschäfte, als zum Spielzeug für Kinder. Eine Puppe als
Spielzeug muss für das Gemüth des Kindes geschaffen sein, sie muss
die Mutter, Geschwister oder andere im Verkehr mit dem Kinde ste
hende Personen wiedergeben, und sollte nicht die Gefühle der Eitelkeit
und Putzsucht in dem Kinde wecken. J. A. Remond, Marchall &
Buffard und F. Duvinage, Maison Gironx brachten gleichfalls
gediegene Zusammenstellungen von französischen Fabrikaten, vornehm
lich mechanische Figuren, gekleidete Puppen, Trousseaux für diese und
dergleichen Gegenstände, lauter ganz vorzügliche Arbeiten.
Aus England hatte sich nur ein Fabrikant, W. Cr einer in Lon
don, mit einer Collection feiner englischer Spielwaaren, Croquets, Pup
pen, Services etc., betheiligt, seine Ausstellung bewies jedoch zur Ge
nüge, dass diese Waaren in England sehr vollkommen gemacht werden.
Auch die Türkei hatte in ihrer Abtheilung eine Zusammenstel
lung von Spielwaaren veranstaltet, sie standen aber auf einem — wir
möchten fast sagen — antediluvianischen Standpunkte.
Aus Nordamerika brachten Stevens & Brown, Manufactu
ring Co. in Cromwell, Connecticut, eine Anzahl mechanischer Spiele mit
vorzüglichen Uhrwerken, sonst aber roh und geschmacklos ausgeführt.
Das Madras-Comite hatte eine hübsche Ausstellung von indischen
Spielzeugen veranstaltet; wenn auch die Thiere und Wagen, von Holz
geschnitzt, keine vollkommen gute Formen aufwiesen, so waren die
Arbeiten doch gut und solid lackirt. Sehr gelungen aber waren die
gedrechselten und schön lackirten Garten- und Gesellschaftsspiele, die
vollständig die Concurrenz der besseren europäischen Fabriken aus
kalten konnten. Ob sie sich zum Import, ihrer Preise wegen, eignen
würden, kann nicht gesagt werden, da Niemand hierüber Auskunft
geben konnte. Erwähnt sei noch bei dieser Ausstellung eine Partie
aus Masse gefertigter Figuren, welche die indischen Volkstypen, Be
schäftigungen und Sitten des dortigen Volkes zur Darstellung brachten.
Obgleich diesen Figuren eine höhere künstlerische Durchführung fehlte,
so gaben sie doch so realistisch und wahr ein vollkommenes Bild des
dortigen Lebens, dass mancher europäische Fabrikant an denselben
hätte Studien machen können.
China und Japan haben gleichfalls viele Spielwaaren ausgestellt.
Von China kamen Figuren, Thiere, Drachen u. dergl., jedoch nicht so
Wiener Weltausstellung. HI. 2. 42