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Gruppe X. Kurzwaaren.
und Erfindungen ist die alte Nürnberger Industrie berühmt; so wurde
dort im Jahre 1321 der Drahtzug, 1360 die Nürnberger Eier (Taschen-
uhren), 1500 die Gewehrschlösser und 1517 die Windbüchsen erfunden.
Albrecht Dürer entdeckte im Jahre 1512 das Aetzen mit Scheide
wasser auf Eisenplatten, Hans Baumann im Jahre 1533 das Brennen
glasirter Sterne; Georg Hartmann im Jahre 1538 die Abweichung
der Magnetnadel und erfand im Jahre 1540 den Kaliberstab. In dem-
selben Jahre erfand der .Schlosser Hans Khemann das Mahlschloss
und Beschläge, um Thüren auf beiden Seiten öffnen und verschliessen
zu können, Erasmus von Ebner entdeckte im Jahre 1553 die Fer
tigung des Messmgs aus Zinn und Kupfer u. s. w. Freilich schritt
die Entwickelung der Nürnberger Industrie nicht immer in gleichem
Maasse vorwärts; sie stand in späteren Jahrhunderten sogar manchmal
angere Zeit still, so däss man noch vor wenigen Decennien bei Ver
gleichung des damaligen Standes der Nürnberger Manufactur mit ihrem
einstigen Glanze fast zu dem wehmüthigen Ausrufe „sie transit gloria
mundi sich veranlasst fühlte. Der Grund dieses bedauerlichen Rück
schritts lag neben dem starren Zunftzwange, den Realgerechten und
anderen Arbeitsbeschränkungen hauptsächlich in dem allgemeinen Be
streben, die Waaren so billig wie möglich, statt so vollkommen wie mög
lich zu machen, ein Bestreben, durch welches Verbesserungen und Neue
rungen beinahe gänzlich ausgeschlossen sind. Sind doch noch heute
z. B. die Kasten der Zauberlaterne, vulgo Laterna magica, noch mit
dem ganz gleichen Papier überzogen, wie diejenige, mit welchen unsere
Voreltern schon vom heiligen Christe beschneit worden sind; etc. etc.
Dass allerdings seit vielen Jahren einzelne Nürnberger Industriellen
sich alle Muhe geben, den früheren Ehrenplatz wieder einzunehmen
das zeigen nicht nur die vielen weltberühmten Fabriken, die seit An
wendung des Dampfes zum Fabrikbetrieb dort entstanden sind und
zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahn hervorge
rufen haben, es war auch neuestens wieder in Wien aus der bereits an
geführten Collectiv ausstell urig der Kurzwaarenindustrie von
Nürnberg und Furth ganz zweifellos zu ersehen, welche mit den
Fabrikaten von 131 Ausstellern gebildet wurde. Diese theilen sich in 51
Aussteller von Spiel waaren aller Art, 20 Aussteller von verschiedenen Spie
geln, 17 Aussteller mit Schildpatt-, Elfenbein- und Holzgalanteriewaaren,
je 5 Aussteller von Bürsten und Kämmen, von Pfeifen und Pfeifen
beschlagen je 4 Aussteller von Portefeuille- und Cartonnagearbeiten,
und von optischen Gegenständen, 3 Aussteller von Pinseln, je 2 Aus
steller von Bleistiften, Nachtlichtern, Oblaten, Glocken, Draht- und Blech-
waaren, Metallschablonen und Compassen, sowie je 1 Aussteller von
Stecknadeln Büchern, Flitter, unechtem Schmück, Fingerringe aus
lomback, I lnselzwmgen, Haken und Oesen und Brillengestellen.
Die nähere Besprechung dieser Aussteller werden wir, soweit ihre
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