II. Mechanische Fabrikation und Handwerk. 671
In Oesterreich ist mit der Knopffabrikation erst seit ungefähr
dreissig Jahren begonnen worden ; sie hat aber in dieser Zeit schon
bedeutende Wurzeln gefasst. Wien produeirt vorzüglich Perlmutter-
knöpfe und kann mit denselben jetzt die englische und französische
Concurrenz bestehen. Diese Fabrikation fällt in Wien zwar mein in
das Gebiet des Kleingewerbes, demungeachtet finden wir dabei auch
Etablissements von bedeutendem Umfang und sehr guten Leistungen.
Als solche haben sich au^ der Ausstellung besonders hervorgethan:
M. Dürr in Hernals, Franz Ertelbauer, Ignaz Krehan, M. B.
Schilling und Carl Schober in Wien*, auch Franz Litschauer,
Franz Rutzelberger und L. Wittmann in Wien; ferner erwähnen
wir von den Erzeugnissen vieler anderen Aussteller noch die sehr
schönen Hornknöpfe von A. Baumgarten in Wien, Steinnussknöpfe
von Johann Hille & Söhne in Schönau (Böhmen), Metallknöpfe von
Augustin Iliecke in Tyssa (Böhmen), Knöpfe aus Hirschhorn und
Imitation von Eduard Keller in Wien, übersponnene Knöpfe von
Carl Stork in Wien.
Die englischen und französischen Kuopffabriken hatten in Wien
keine Proben ihrer Leistungen ausgestellt, was in Anbetracht der
Bedeutung, die dieser Artikel für jene beiden Länder hat, sehr be
dauert worden ist. Einen Beleg für den grossen Umfang dieses Indu
striezweiges mögen nachstehende Notizen, die wir dem Bericht des
k. k. österreichischen Centralcomites über die Pariser Weltausstellung
vom Jahre 1867 entnehmen, geben:
Paris, als der Centralpunkt Frankreichs, erzeugt alle Arten von
Knöpfen aus Metall, Seide, Perlmutter, Horn, Email etc., während man
sich im Departement der Oise auf die Erzeugung von Knöpfen aus
Muscheln, Perlmutter, Knochen, Elfenbein etc. und im Departement
der Loire auf jene von Porzellanknöpfen beschränkt. Die Metalle,
welche diesem Industriezweige dienen, werden mit 2y 2 Millionen Kg
und einem Werthe von 4 Millionen Francs beziffert. Einen gleichen
Werth soll die Verwendung der Seide und anderer Webstoffe repräsen-
tiren; jene Stoffe aber, die meist exotischen Ursprungs sind, erschei
nen mit 3 Millionen Kg und 5 Millionen Francs nicht zu hoch ge
griffen, während die zu Knöpfen verarbeiteten Hörner und Klauen
mit der Ziffer von 1 Millionen angesetzt sind, und der Werth der
Porzellanknöpfe 2 1 / 2 Millionen Francs beträgt. Bei der Erzeugung
der Metallknöpfe stehen Dampf- und Wasserkräfte in Anwendung, bei
jener der anderen Gattungen, mit Ausnahme der Seidenknöpfe, die eine
Handarbeit sind, mechanische Utensilien. Die Zahl der bei dieser In
dustrie beschäftigten Arbeiter beträgt 22 000. Davon arbeitet jedoch
kaum die Hälfte in Werkstätten. Die französischen Knöpfe nehmen