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Gruppe X. Ivurzwaaren.
ihren Weg nach England, Italien, Russland und Nordamerika. Die
ordinärsten und billigsten Sorten gehen nach Südamerika, Mexico und
China. Dieser Ausfuhrhandel wirft 30 Millionen Francs ab, während
der Consum im Innern des Landes 15 Millionen Francs beträgt.
Kämme und Hartgummiwaaren.
Die Kammfabrikation theilt sich in die Fertigung von Aufsteck-
und Frisirkämmen. Die erste Art ist zwar schon seit einiger Zeit durch
die herrschende Mode sehr beeinträchtigt worden, demungeachtet wurden
noch in den letzten Jahren in Paris und den benachbarten Departements
für ca. 12 Millionen Rmk. Aufsteckkämme für Damen gemacht, von
denen 2 / 3 Theile in das Ausland gingen. Trotzdem aber bleiben die
sogenannten Frisirkämme gegenwärtig der Hauptartikel für die Kamm
fabrikation, und hier ist es wieder die Maschine, welche die Handarbeit
fast gänzlich verdrängt hat.
Obgleich fast alle Länder Kämme fabriciren, so war die Kamm
fabrikation doch im Allgemeinen ziemlich schwach auf der Wiener
'Weltausstellung vertreten; eine der umfassendsten Repräsentationen
fand sich in der Collectivausstellung der Kurzwaarenindustrie von
Nürnberg und Fürth. Die Kammfabrikation von Nürnberg und Fürth
verarbeitet fast ausschliesslich Schildpatt, Elfenbein, Horn und Klauen.
Sie liefert jährlich ca. 200 000 Dutzend Kämme, im Gesammtwerthe
von 1 1 .2 Millionen Rmk. Ausser dem Schildpatt werden dazu
750 000 Hörner, 200 Centner Elfenbeinzähne und 100 000 Stück
Klauen verarbeitet. Der bedeutendste Nürnberger Kammfabrikant ist
G. Probst. Seine Specialität sind Büffelkämme, von denen er jährlich
110 000 Dutzend producirt. An denselben reiht sich C. G. Hahn in
Bürth an; dieser fabricirt vorzugsweise Elfenbeinkämme, zu deren Her
stellung er jährlich ca. 120 Centner Elfenbein bedarf. Ferner haben
wir von Nürnberger Ausstellern noch J. Goebel jun. mit Herren-,
Frisir- und Staubkämmen, und J. M. H. Geiger mit Kämmen und
Bürsten, sowie Hofmann & Schlenk in Nürnberg und Fürth ehrend
zu erwähnen. LöschundBreidenbach inMannheim brachten gleich
falls neben anderen Schildpatt- und Hornwaaren eine Partie guter
Kämme von Schildpatt und Horn. Ihr Umsatz in Kämmen beläuft
sich jährlich auf ca. 100 000 Rmk., hauptsächlich für den deutschen
Markt. Sie beschäftigen durch ihre Fabrik ständig gegen 100 Personen,
ausserdem aber noch viele Familien, die diese Waare als Hausindustrie
fertigen.
Ein schönes Sortiment Kämme ^aus Hartgummi stellte die Fabrik
von H. 0. Meyer in Hamburg aus; wir haben zwar über die grosse
Bedeutung dieses Etablissements schon in dem vorstehenden Abschnitte