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Full text : Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

67  G

Gruppe  X.  Kurzwaaren.
Die  Fiber  ist  eine  Agarafaser,  aus  Westindien,  Central-  und  Südamerika,
und  einigen  Gegenden  Afrikas  stammend.  Die  Faser  wird  aus  den
Blättern  gewonnen,  nachdem  durch  einen  Köstproeess  alle  Gewebe  bis
auf  die  Gefässbündel  zerstört  sind.  Die  Länge  der  Faser  geht  bis  zu
1  m,  beträgt  aber  in  der  Regel  nicht  mehr  als  1 / i  m.  Die  Faserdicke
schwankt  zwischen  0'1  und  0'5  mm.  Die  Faser  ist  an  einem  Ende  dicker,
und  spitzt  sich  allmälig  gegen  das  andere  Ende  zu.  Die  Farbe  ist
weiss  mit  einem  Stich  ins  Gelbliche.  Ausser  in  der  Naturfarbe  wird
die  Fiber  auch  schwarz  und  bräunlich  gefärbt  angewendet,  wodurch
sie  den  verschiedenen  Borstentönen  gleichkommt.  Ihr  Preis  beträgt
circa  2  Rmk.  per  Kg.  Von  der  thierischen  Faser  unterscheidet  sich  die
Fiber  wie  die  anderen  Pflanzenfasern  insbesondere  dadurch,  dass  sie
umgekippt  einreisst  und  sich  nicht  mehr  gerade  richtet.  Die  Fiber
wird  theils  als  Zusatz  zu  den  Borsten  verwendet,  theils  als  ausschliessliches ­
  Material  zur  Herstellung  weniger  dauerhafter  Bürsten.
Ueber  die  Abstammung  der  Faser  Siam  konnte  nichts  in  Erfahrung ­
  gebracht  werden.  Dieselbe  ist  bis  0'4  m  lang,  in  der  Dicke
der  Fiber  gleich,  aber  steifer,  die  dickeren  Fasern  gewöhnlich  platt
und  dann  bis  zu  1  mm  breit,  wie  die  Fiber  nach  einem  Ende  sich  zuspitzend. ­
  Die  Siam  ist  von  Natur  bräunlich,  sie  wird  jedoch  mit  Leinöl
getränkt  angewendet,  wodurch  sie  eine  braunschwarze  und  etwas  glänzende ­
  Farbe  annimmt.  Ihr  Preis  ist  in  diesem  Zustande  circa  4  bis
5  Rmk.  per  Kg,  somit  ein  ziemlich  hoher,  dem  der  Borsten  sich
nähernd.  Die  Faser  eignet  sich  besonders  gut  für  Wasserbürsten  (Fassbürsten); ­
  bei  Trockenbürsten  soll  mit  dem  Austrocknen  des  Leinöls  die
Faser  spröde  werden.
Die  Kokosfaser  (Coir)  stammt  von  der  Kokosnuss  und  liegt
in  zahlreichen  Gefässbündeln  über  der  Steinschale,  die  den  übrigen
Kern  der  Nuss  umgiebt.  Die  faserige  Fruchtrinde  führt  den  Namen
Roya  und  bildet,  wie  auch  die  daraus  gewonnene  rohe  Faser,  einen
Gegenstand  des  Handels.  Durch  längeres  Einweichen  in  Wasser  und
Klopfen  lösen  sich  die  einzelnen  Fasern  aus  den  Bündeln  los.  Die
Länge  der  Fasern  beträgt  15  bis  33  cm,  die  Dicke  0'05  bis  0'3  mm;
an  den  beiden  Enden  ist  die  Faser  dünn,  in  der  Mitte  dick,  sie  ist
sehr  dick  und  widerstandsfähig.  Ihre  Farbe  ist  bräunlich,  sie  wird
jedoch  auch  schwarz  gefärbt.  Ihr  Preis  ist  circa  0‘80  Rmk.  per  Kg.
Die  Kokosfaser  eignet  sich  besonders  gut  für  Kanonenwischer,  da  sie
nicht  so  leicht  wie  die  thierische  Faser  in  dem  heissen  Rohr  verbrennt; ­
  auch  wird  sie,  namentlich  gefärbt,  den  Borsten  für  Kehrbesen
zugesetzt.
Die  Piasava  besteht  aus  tiefbraunen,  glanzlpsen,  fischbeinartig
elastischen  Fasern,  oft  über  3  m  lang,  im  Durchmesser  von  0'8  bis
2 - 5  mm,  zuweilen  abgeplattet,  von  dem  einen  dickeren  Ende  nach
dem  anderen  sich  zuspitzend.  Dieselbe  stammt  von  einer  brasilia-
            
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