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MAK

Full text : Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

677

II.  Mechanische  Fabrikation  und  Handwerk.
nischen  Palme  (Attalea  funifera),  und  zwar  bildet  sie  die  Fasern
der  Blattscheiden,  welche  nach  Zerstörung  der  übrigen  Gewebstheile
durch  die  Atmosphäre  von  den  Stämmen  frei  herahhängen.  Es  kommen
zwei  Sorten  zu  uns;  die  eine  hat  im  Schnitt  kreisförmige  Fasern;  dieselben ­
  sind  sehj;  hart  und  steif  und  eignen  sich  nicht  für  Bürsten;  sie
findet  ihre  Verwendung  seit  einigen  Jahren  hei  uns  zur  Herstellung
von  Strassenbesen,  und  nach  den  bis  jetzt  gemachten  äusserst  günstigen ­
  Erfahrungen  wird  sie  hierfür  wohl  jedes  andere  Material  verdrängen. ­
  Die  andere  Sorte  ist  eckig  im  Schnitt,  zuweilen  glatt  und  weniger
steif;  sie  wird  für  die  eigentlichen  Bürsten,  für  Hansbesen  verwendet,
und  scheint  insbesondere  mit  der  Kokosfaser  zusammen  ein  gutes  Material ­
  für  Kanonenwischer  zu  bilden.  Beim  Umbiegen  bricht  die  Piasavafaser.
  Ihr  Preis  beträgt  circa  0'70  Rmk.  per  Kg.
Ein  sehr  wichtiger  Bürstenstoff  ist  die  aus  Italien  zu  uns  kommende ­
  Reiswurzel,  auch  Sumpfwurzel  (italienisch  radica  dl  palude,
französisch  chiendent);  die  feinere  Sorte  stammt  von  Chrysopogon  gryJlus,
  die  gröbere  von  Andropogon  Ischoenum.  Die  feinste  Sorte  heisst
in  Deutschland  auch  Grenilla.  Der  Handel  liefert  sie  in  Packeten
von  etwa  V a  Kg,  in  Faserlänge  bis  zu  0'7  m,  in  Dicke  von  0  2
bis  1  mm.  Die  Fasern  sind  am  einen  Ende  etwas  dicker  als  am  anderen. ­
  Die  Fasern  sind  kreisrund  im  Schnitt,  sie  laufen  jedoch  abweichend ­
  von  allen  anderen  genannten  Fasern  nicht  geradlinig,  sondern ­
  etwas  schlangenförmig,  an  das  Kräuseln  der  Wollfasern  erinnernd.
Die  dickeren  Fasern  sind  sehr  steif  und  scharf  und  brechen  leicht  beim
Umbiegen;  die  ganz  dünnen  widerstehen  besser.  Der  Preis  ist'  sehr
verschieden  und  richtet  sich  nach  der  Dicke  der  Faser.  Der  Handel
liefert  verschiedene  Sorten,  die  grösste  circa  2  Rmk.  per  Kg,  die
feinste  etwa  das  Doppelte.  Die  Reiswurzel  findet  eine  sehr  ausgedehnte ­
  Verwendung;  es  giebt  Fabriken,  die  bloss  aus  diesem  Material
Bürsten  fertigen.  Die  Wurzel  wird  immer  allein  verwendet,  nicht  gemischt ­
  mit  Borsten,  da  sie  ihrer  Form  wegen  mit  diesen  sich  nicht  zusammenbringen ­
  lässt.  Man  stellt  feine  Kleiderbürsten  daraus  ber,  die
man  zuweilen  mit  einem  Kranz  Borsten  umgiebt,  welcher  das  Inneie
mehr  schützen  soll.  Besonders  wichtig  ist  die  Reiswurzel  zur  Herstellung ­
  von  Bodenbürsten,  in  welcher  Anwendung  sie  die  Borsten  übertrifft, ­
  da  sie  feucht  geringer  Abnutzung  unterliegt,  weniger  brüchig
ist  und  scharf  scheuert.
Auch  Reisstroh  (Paille  de  Biz)  wird  verwendet,  jedoch  fas*  nur
zu  Besen  ;  das  Material  wird  zum  grossen  Theil  in  Italien  selbst  verarbeitet ­
  und  als  fertiges  Fabrikat  uns  zugeführt.
Eine  geringe  Verwendung  finden  noch  die  Stengel  eines  auf  dem
Schwarzwald  heimischen  Mooses  (Polytriclium  commune).  Dieselben
sind  von  braunrother  Farbe,  schuppig,  bis  30  cm  lang,  circa  0o  mm
dick,  sehr  brüchig.
            
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