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Full text: Kurzwaaren, Wiener Weltausstellung Heft 19

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Gruppe X. Kurzwaaren. 
reich und Belgien machen, munterte geeignete Männer zum fabrik- 
massigen Betriebe auf und ging darin selbst mit gutem Beispiele 
voran. * 
Während anfänglich die Bürstenmacher ihre Producte selbst oder 
durch Angehörige oder Bedienstete vethausiren Hessen, wurde der 
Bürstenhandel bald ein besonderes Geschäft und der Zudrang dazu 
war ein grosser. Der Handel war nur Hausirhandel, und die Hausirer 
drohten das Geschäft zu ruiniren. Sie zahlten die Waaren den Verfer 
tigern meist so gering, dass kaum das Material dafür angeschafft 
werden konnte, was wohl auch geringere Waaren und abfällige Urtheile 
über die Industi’ie überhaupt zur Folge hatte. 
Diese Zustände zu verbesseren, hatte sich Franz Josef Faller 
vorgenommen. 
Er begann den Absatz seiner Waaren im Grossen selbst zu be 
sorgen um 1850 und ihm folgten dann weitere Unternehmer, die eben 
falls fabrikfiiässig arbeiten. Doch giebt es zur Zeit noch etwa 150 
Hausirer, die dem Bezirk Schönau angehören, und ihre Waaren von 
Fabrikanten und der Hausindustrie beziehen. 
Das Hauptabsatzgebiet der Fabrikanten ist Norddeutschland, das 
den grössten Theil der Fabrikate absorbirt. Dann folgen die Schweiz, 
Württemberg, Bayern und Hessen und neuerlich Elsass-Lothringen. Der 
aussereuropäische. Markt bezieht nur wenig. 
Während die Bürstenmacherei anfangs nur ausschliesslich mehr als 
Hausindustrie von den Familienangehörigen betrieben wurde, hat sich seit 
1850 die fabrikmässige Herstellung der Producte herausgebildet und es 
bestehen jetzt in Todtnau fünf grössere Fabriken und eine in Schlechtnau, 
dabei hat sich aber die Hausindustrie fast über die ganze Stadt Todtnau 
und über die Orte Muggenbrunn, Brandenburg, Fahl-Todtnauberg, 
Aftersteg (und Bernau, Bezirk St. Blasien) in der Weise ausgedehnt, 
dass in diesen Orten kaum ein Haus ohne diese Industrie ist. 
In Schlechtnau, Wieden und Ehrsberg ist sie auch, jedoch weniger 
verbreitet, in letzterem Orte ist nur ein Geschäft. 
Die fertigen Waaren werden meist an die Fabrikanten, weniger 
an Hausirer, abgesetzt. 
Die Fabrikation der Bürstenhölzer verbreitet sich über die ge 
nannten Orte und über Aitern, Böllen und Geschwend. 
Die Hausindustrie theilt sich in folgende Zweige: 
1. Herstellung der Bürstenhölzer und Bohren (Rohmaterial). 
2. Die Herstellung der feineren Bürstenhölzer der polirten und 
lackirten Sachen. Auch die Fabrikanten beziehen ausschliess 
lich von ihr. 
3. Das eigentliche Binden (Einziehen). 
4. Befestigen der Borsten mit Pech (geringere Waaren). 
Jede Familie arbeitet in der Regel nur in einem Zweig.
	        
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