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II. Mechanische Fabrikation und Handwerk.
In der Collectivausstellung der Kurzwaarenindustrie von
Nürnberg und Fürth hat die Pinselfabrikation eine ganz hervor
ragende Stelle eingenommen, sowohl hinsichtlich •vollkommener Leistun
gen, als auch ihres bedeutenden Umfanges wegen. Ihr Productionswerth
erreichte im Jahre 1872 die Summe von l 1 /* Millionen Rmk. An der Spitze
der Nürnberger Pinselfabrikanten stehen Gebrüder Gönner mann.
Dieselben fertigen Pinsel von allen Sorten, sie beschäftigen 170 Arbeiter
in der Fabrik und 40 Arbeiter ausserhalb derselben. An diese reihen
sich G. C. Beisbarth & Sohn an; auch sie fertigen alle Arten von
Pinseln in ähnlichem Umfange wie erstgenannte Firmen, und haben
weiter das Verdienst, beinahe auf allen früheren Weltausstellungen
schon die Nürnberger Pinselindustrie in ehrenvollster Weise zur Geltung
gebracht zu haben. Als Dritter im Bunde hat sich den Vorstehenden
die Firma Schuster & Kehlen in Nürnberg würdig angeschlossen.
Eine Specialität derselben ist neben Fertigung aller Arten von Ihnseln
die Fabrikation von Pinseln für Eisenbahnbedarf und Maschinen
fabriken.
Auch die württembergische Pinselfabrik von H. L. Sterkel in
Ravensburg verdient durch ihre Ausstellung die vollste Anerkennung.
Diese Fabrik producirt als Specialität Anstreich- und Lackirerpinsel,
von denen sie im Jahre 1871 20 000 Dutzend im Werthe von
ca. 100 000 Rmk. grösstentheils in nicht deutsche Länder Europas
verkauft hat.
Ausser H. Lassen in Kopenhagen, welcher gleichfalls gute und
schöne Pinsel ausgestellt hatte, waren keine weiteren Fabrikanten,
welche nur Pinsel ausgestellt hatten, auf der Ausstellung erschienen.
Wir haben uns bemüht, dem geneigten Leser in unparteiischer
Weise ein Bild von den verschiedenen Productionsleistungen zu geben,
die die Kurzwaarengruppe auf der Wiener Weltausstellung in buntem
Gemische vereinigt hatte. Diese bunte Mischung der verschiedensten
Gegenstände mag es aber auch entschuldigen, wenn sich gegen
unser Wollen und Wissen in diesen Bericht kleine Auslassungen oder
Irrthümer eingeschlichen haben sollten.
Werfen wir zum Schlüsse noch einen kurzen Blick auf die Kurz
waarenindustrie, wie sie sich uns im Allgemeinen auf der Wiener Welt
ausstellung gezeigt hat, und vergleichen wir dabei die deutschen Leistun
gen mit denen von anderen Ländern, so dürfen wir uns nicht verhehlen,
dass namentlich die von uns als der Kunstindustrie angehörig bezeich
nten französischen, englischen und österreichischen Kurzwaareu denen