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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
durchlöcherter, nach oben convexer und am Rande mit ausgeschnittenen 
Zähnen versehener Metallplatten regelmässig vertheilt sind. Unter jeder 
derselben liegt eine zweite ebene Platte, die nur in der Mitte ein grös 
seres Loch besitzt. Die Flüssigkeit tritt ungefähr in halber Höhe des 
Cylinders durch ein Rohr ein und füllt denselben fast ganz an. Am 
unteren Ende mündet ein ferneres Rohr, durch welches Kohlensäure 
(d. h. Kalkofengase oder Cokeverbrennungsgase) mittelst einer Com- 
pressionspumpe unter einem Drucke von IV2 bis 2 Atmosphären ein 
getrieben wird. Beim Aufsteigen durch die Siebe zertheilt sich das Gas 
in kleine Blasen und kommt in innige Berührung mit der Lösung. In 
dem zugleich das comprimirte Gasgemisch sich ausdehnt, wird in Folge 
der hierdurch entstehenden Temperaturerniedrigung die Erwärmung 
der Flüssigkeit aufgehoben, welche durch die Absorption der Kohlen 
säure entsteht. Es beginnt die Abscheidung von Natriumbicarbonat 
in festen Theilchen, die vermöge der Bewegung der Flüssigkeit in der 
selben suspendirt bleiben, aber auch von Zeit zu Zeit sich in harten 
Krusten auf den Sieben festsetzen können. (In diesem Falle verhindert 
der ausgezahnte Rand der Platten eine vollständige Verstopfung, jedoch 
muss, wenn eine solche einzutreten beginnt, der Cylinder entleert und 
mittelst heissem Wasser die Salzkruste gelöst werden.) Alle halbe 
Stunde wird ein Theil der in der unteren Hälfte des Cylinders befind 
lichen gesättigten Flüssigkeit, welche nunmehr allen ammoniakalischen 
Geruch verloren hat, durch einen Hahn auf ein Vacuumfilter oder eine 
Centrifuge ablaufen gelassen, und das erhaltene fein krystallinische Bi- 
carbonat mit wenig Wasser ausgewaschen. 
Zur Ueberführung defj Natriumbicarbonats in Soda.benutzt Solvay 
zwei verschiedene Apparate. Der eine besteht aus einem senkrechten 
eisernen Cylinder, welcher durch eine Anzahl horizontaler Platten in 
gleich grosse Abtheilungen getheilt ist. Die Platten besitzen abwech 
selnd eine Oeffnung in der Mitte, und die folgende steht von der Peri 
pherie des Cylinders ah, so dass ein ringförmiger Zwischenraum ent 
steht. Durch die Mitte des Apparates geht eine verticale Welle, welche 
mit horizontalen Armen verseilen ist, und an diesen letzteren befinden 
sich abwechselnd nach der Achse und nach der Peripherie des Cylinders 
gerichtete Schaufeln. Durch dieselben wird beimRotiren der Welle die 
Salzmasse, welche man von oben in den Apparat einwirft, auf den einen 
Platten nach der Mitte, auf den anderen nach dem Rande ge 
schoben und fällt so allmälig nach unten. Die Platten sind entweder 
hohl und lassen sich durch Dampf kfeizen, oder massiv, in welchem 
Falle man heisse Feuergase durch den ganzen Apparat hindurchleitet. 
Der Cylinder ist oben geschlossen, und besitzt im Deckel eine Oeffnung 
zum Einfüllen des Salzes und ein Abzugsrohr für die Kohlensäure, 
welche bei der Zersetzung des Bicarbonats frei wird. Dieselbe geht 
wieder in den Saturator. Die getrocknete Soda tritt am Boden des Cy-
	        
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