450
Gruppe III. Chemische Industrie.
durchlöcherter, nach oben convexer und am Rande mit ausgeschnittenen
Zähnen versehener Metallplatten regelmässig vertheilt sind. Unter jeder
derselben liegt eine zweite ebene Platte, die nur in der Mitte ein grös
seres Loch besitzt. Die Flüssigkeit tritt ungefähr in halber Höhe des
Cylinders durch ein Rohr ein und füllt denselben fast ganz an. Am
unteren Ende mündet ein ferneres Rohr, durch welches Kohlensäure
(d. h. Kalkofengase oder Cokeverbrennungsgase) mittelst einer Com-
pressionspumpe unter einem Drucke von IV2 bis 2 Atmosphären ein
getrieben wird. Beim Aufsteigen durch die Siebe zertheilt sich das Gas
in kleine Blasen und kommt in innige Berührung mit der Lösung. In
dem zugleich das comprimirte Gasgemisch sich ausdehnt, wird in Folge
der hierdurch entstehenden Temperaturerniedrigung die Erwärmung
der Flüssigkeit aufgehoben, welche durch die Absorption der Kohlen
säure entsteht. Es beginnt die Abscheidung von Natriumbicarbonat
in festen Theilchen, die vermöge der Bewegung der Flüssigkeit in der
selben suspendirt bleiben, aber auch von Zeit zu Zeit sich in harten
Krusten auf den Sieben festsetzen können. (In diesem Falle verhindert
der ausgezahnte Rand der Platten eine vollständige Verstopfung, jedoch
muss, wenn eine solche einzutreten beginnt, der Cylinder entleert und
mittelst heissem Wasser die Salzkruste gelöst werden.) Alle halbe
Stunde wird ein Theil der in der unteren Hälfte des Cylinders befind
lichen gesättigten Flüssigkeit, welche nunmehr allen ammoniakalischen
Geruch verloren hat, durch einen Hahn auf ein Vacuumfilter oder eine
Centrifuge ablaufen gelassen, und das erhaltene fein krystallinische Bi-
carbonat mit wenig Wasser ausgewaschen.
Zur Ueberführung defj Natriumbicarbonats in Soda.benutzt Solvay
zwei verschiedene Apparate. Der eine besteht aus einem senkrechten
eisernen Cylinder, welcher durch eine Anzahl horizontaler Platten in
gleich grosse Abtheilungen getheilt ist. Die Platten besitzen abwech
selnd eine Oeffnung in der Mitte, und die folgende steht von der Peri
pherie des Cylinders ah, so dass ein ringförmiger Zwischenraum ent
steht. Durch die Mitte des Apparates geht eine verticale Welle, welche
mit horizontalen Armen verseilen ist, und an diesen letzteren befinden
sich abwechselnd nach der Achse und nach der Peripherie des Cylinders
gerichtete Schaufeln. Durch dieselben wird beimRotiren der Welle die
Salzmasse, welche man von oben in den Apparat einwirft, auf den einen
Platten nach der Mitte, auf den anderen nach dem Rande ge
schoben und fällt so allmälig nach unten. Die Platten sind entweder
hohl und lassen sich durch Dampf kfeizen, oder massiv, in welchem
Falle man heisse Feuergase durch den ganzen Apparat hindurchleitet.
Der Cylinder ist oben geschlossen, und besitzt im Deckel eine Oeffnung
zum Einfüllen des Salzes und ein Abzugsrohr für die Kohlensäure,
welche bei der Zersetzung des Bicarbonats frei wird. Dieselbe geht
wieder in den Saturator. Die getrocknete Soda tritt am Boden des Cy-