451
Die Soda-Industrie.
linders aus. — Der andere Apparat bestellt aus einem eisernen, mit
Deckel verschlossenen Kessel, der sich von unten auf die erforderliche
Temperatur heizen lässt. Durch den Deckel geht eine Welle, welche
Schaufeln trägt, durch die das eingefüllte Bicarbonat umgerührt wird.
Die Kohlensäure entweicht aus einem angefügten Rohr.
Ein letzter von Solvay in dem Patent von 1863 beschriebener
Apparat dient endlich zur Regeneration des Ammoniaks aus den salmiak
haltigen Laugen durch Erhitzen mit Kalk. Derselbe besteht aus einem
horizontal liegenden langen eisernen Cylinder, welcher in drei Abthei
lungen zerfällt. Das eine Ende A ist von einer Feuerung umgeben,
der mittlere Theil B besitzt nach oben eine Erweiterung, und das an
dere Ende G biegt sich knieförmig nach oben und ist von einem Man
tel umgeben, durch den kaltes Wasser strömt. Die Salmiaklauge
wird in C einfliessen gelassen, sie gelangt in den Theil B, in welchem
man ihr einen dicken Brei von gelöschtem Kalk zuführt und mittelst
einer Rührvorrichtung innig beimischt. Das Gemenge tritt dann nach A
und wird hier erhitzt, wobei das ausgetriebene Ammoniakgas wieder
den entgegengesetzten Weg nimmt und sich durch die in G enthaltene
kalte Flüssigkeit hindurchdrängt. Hierbei condensiren sich die bei
gemengten Wasserdämpfe, und das Gas gelangt dann in eine an dem
verticalen Schenkel von G befindliche Abzugsrohre, welche es in den
mit Salzsoole gefüllten Absorptionsapparat leitet. An dem von der
Feuerung umgebenen Theil A des Kessels befindet sich ein Hahn zum
Ablassen der Chlorcalciumlauge. Da dieses Abfallproduct nicht weiter
verwendbar ist, so schlägt Solvay vor, statt des Kalks Magnesia zur
Zersetzung der Salmiakl^uge anzuwenden. Die erhaltene Chlor
magnesiumlösung wird eingedampft und die Masse im erhitzten Zustande
der Einwirkung von Wasserdämpfen ausgesetzt, wobei neben Salzsäure
wieder Magnesia entsteht.
Der Apparat, welchen sich J. Young x ) patentiren Hess, besteht
aus drei geschlossenen, horizontal liegenden Cylindern von Eisenblech,
deren vorstehende Achsen auf Trägern ruhen und mit Zahnradvorrich
tungen versehen sind, wodurch die Gefässe abwechselnd oder gleich
zeitig in Drehung versetzt werden können. Durch die hohlen Achsen
münden mittelst Stopfbüchsen Röhren, welehe auf der einen Seite des
Cylinders zum Einleiten von Kohlensäure und Ammoniak, auf der ent
gegengesetzten zum Fortführen der Gase in den nächsten Kessel dienen.
Der .untere Theil jedes Cylinders befindet sich über einem gemauerten
Ofen. Bei Beginn der Operation wird das erste Gefäss mit 100 Thln.
Kochsalz und 300 Thln. Wasser beschickt, und so lange Ammoniakgas
einströmen gelassen, bis 35 Thle. desselben aufgenommen sind. Hier
auf erfolgt das Einleiten von Kohlensäure, welche zum Theil durch Er-
i) J Young, Engl. Pat. v. 28. Septbr. 1871, Nro. 2558.
29*