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Die Soda-Industrie.
2. Mittelst Baryumbicarbonat. Baryumbicarbonat setzt sieb
mit der .äquivalenten Menge Glaubersalzlösung selbst beim Kochen
nur unvollständig um, dagegen tritt, wie R. Wagner *) nach wies, glatte
Reaction ein, wenn man in Wasser suspendirtes Baryumcarbonat durch
Einleiten von Kohlensäure erst in Biearbonat überführt, und dann das
Natriumsulfat zufügt. Später 2 ) fand er, dass es nicht nöthig ist, die
ganze Menge des Baryums in Biearbonat umzuwandeln, sondern ein
theilweises Vorhandensein des letzteren schon genügt. — Die Wagner’sehe
Methode wurde von Brunner 3 ), besonders aber von Lunge 4 )
in der Art modificirt, dass die Glaubersalzlösung zunächst mit gefälltem
Baryumcarbonat versetzt, und dann erst Kohlensäure eingeleitet wird,
wobei vollständige Umsetzung zu Natriumbicarbonat und Baryumsulfat
erfolgt. Lunge schlägt vor in der Praxis auf folgende Weise zu verfahren:
In geschlossene Bottiche, welche mit einer Rührvorrichtung versehen
sind, bringt man eine Lösung von 1 Theil Glaubersalz in 12 Theilen
Wasser, suspendirt darin frisch gefälltes Baryumcarbonat, und treibt
mittelst einer Luftpumpe so lange Kohlensäure (die aus Coke in Verbindung
mit einem Kalkofen erzeugt wird) ein, bis eine Probe der
Flüssigkeit mit Chlorbaryum keine Fällung mehr giebt. Der nicht
absorbirte Theil des Gases strömt durch ein Abzugsrohr in höher gelegene
Bottiche, welche eine Lösung von Schwefelbaryum enthalten.
Unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff bildet sich hier ein Niederschlag
von Baryumcarbonat, den man erst in Klärgefässe und dann in
die Glaubersalzzersetzungbottiche ablaufen lässt. Das in diesen letzteren
entstandene Gemenge von Natriumbicarbonatlösung und Baryumsulfat
wird durch Absetzenlassen getrennt, und die Flüssigkeit enigedampft,
wobei man die entweichende Kohlensäure selbstverständlich
wieder benutzt. Das Baryumsulfat lässt sich, wie Lunge fand, durch
Erhitzen mit nicht backendem Kohlestauh im Flammofen leicht zu
Schwefelbaryum reduciren, dessen Lösung man wieder durch Kohlensäure
zersetzt etc. Die gewonnene Soda kann nur noch das Chlornatrium
des ursprünglichen Glaubersalzes enthalten, ist aber sonst vollständig
frei von Eisen, Thonerde, Kieselsäure, sowie schwefelsauren und
schwefligsauren Salzen. Ein Vorzug der Methode liegt noch dann,
dass kein Verlust an Natrium stattfindet. Ueber die Verwendung des
beim Zersetzen des Schwefelbaryums frei werdenden Schwefelwasserstoffs
fehlt noch ein praktischer Vorschlag. — Versuche über die Umwandlung
der Alkalisulfate in Carbonate mittelst Baryumcarbonat und
Kohlensäure sind endlich von Lawrenre Smith 5 ) angestellt wori)
Wagn. Jahresber. 1857, 104; Regesten d. Sodafabr. 46. ^
Jahresber. 1864, 166; A. W. Hofmann, Exports by the Jiines 1862 32.
3) Brunner, Dingl. pol. J. 176. 127; Wagu. Jahresber 1865, 234. ) Lu g ,
Dingl. pol. J. 208, 137. 6 ) Lawrence Smith, Ghern. News 27, 316,
Wagn. Jahresb. 1873, 258.