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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

461

Die  Soda-Industrie.
2.  Mittelst  Baryumbicarbonat.  Baryumbicarbonat  setzt  sieb
mit  der  .äquivalenten  Menge  Glaubersalzlösung  selbst  beim  Kochen
nur  unvollständig  um,  dagegen  tritt,  wie  R.  Wagner  *)  nach  wies,  glatte
Reaction  ein,  wenn  man  in  Wasser  suspendirtes  Baryumcarbonat  durch
Einleiten  von  Kohlensäure  erst  in  Biearbonat  überführt,  und  dann  das
Natriumsulfat  zufügt.  Später 2 )  fand  er,  dass  es  nicht  nöthig  ist,  die
ganze  Menge  des  Baryums  in  Biearbonat  umzuwandeln,  sondern  ein
theilweises  Vorhandensein  des  letzteren  schon  genügt.  —  Die  Wagner’sehe ­
  Methode  wurde  von  Brunner  3 ),  besonders  aber  von  Lunge 4 )
in  der  Art  modificirt,  dass  die  Glaubersalzlösung  zunächst  mit  gefälltem
Baryumcarbonat  versetzt,  und  dann  erst  Kohlensäure  eingeleitet  wird,
wobei  vollständige  Umsetzung  zu  Natriumbicarbonat  und  Baryumsulfat
erfolgt.  Lunge  schlägt  vor  in  der  Praxis  auf  folgende  Weise  zu  verfahren: ­
  In  geschlossene  Bottiche,  welche  mit  einer  Rührvorrichtung  versehen ­
  sind,  bringt  man  eine  Lösung  von  1  Theil  Glaubersalz  in  12  Theilen
  Wasser,  suspendirt  darin  frisch  gefälltes  Baryumcarbonat,  und  treibt
mittelst  einer  Luftpumpe  so  lange  Kohlensäure  (die  aus  Coke  in  Verbindung ­
  mit  einem  Kalkofen  erzeugt  wird)  ein,  bis  eine  Probe  der
Flüssigkeit  mit  Chlorbaryum  keine  Fällung  mehr  giebt.  Der  nicht
absorbirte  Theil  des  Gases  strömt  durch  ein  Abzugsrohr  in  höher  gelegene ­
  Bottiche,  welche  eine  Lösung  von  Schwefelbaryum  enthalten.
Unter  Entwickelung  von  Schwefelwasserstoff  bildet  sich  hier  ein  Niederschlag ­
  von  Baryumcarbonat,  den  man  erst  in  Klärgefässe  und  dann  in
die  Glaubersalzzersetzungbottiche  ablaufen  lässt.  Das  in  diesen  letzteren ­
  entstandene  Gemenge  von  Natriumbicarbonatlösung  und  Baryumsulfat ­
  wird  durch  Absetzenlassen  getrennt,  und  die  Flüssigkeit  enigedampft,
  wobei  man  die  entweichende  Kohlensäure  selbstverständlich
wieder  benutzt.  Das  Baryumsulfat  lässt  sich,  wie  Lunge  fand,  durch
Erhitzen  mit  nicht  backendem  Kohlestauh  im  Flammofen  leicht  zu
Schwefelbaryum  reduciren,  dessen  Lösung  man  wieder  durch  Kohlensäure ­
  zersetzt  etc.  Die  gewonnene  Soda  kann  nur  noch  das  Chlornatrium ­
  des  ursprünglichen  Glaubersalzes  enthalten,  ist  aber  sonst  vollständig ­
  frei  von  Eisen,  Thonerde,  Kieselsäure,  sowie  schwefelsauren  und
schwefligsauren  Salzen.  Ein  Vorzug  der  Methode  liegt  noch  dann,
dass  kein  Verlust  an  Natrium  stattfindet.  Ueber  die  Verwendung  des
beim  Zersetzen  des  Schwefelbaryums  frei  werdenden  Schwefelwasserstoffs
fehlt  noch  ein  praktischer  Vorschlag.  —  Versuche  über  die  Umwandlung ­
  der  Alkalisulfate  in  Carbonate  mittelst  Baryumcarbonat  und
Kohlensäure  sind  endlich  von  Lawrenre  Smith 5 )  angestellt  wori)

  Wagn.  Jahresber.  1857,  104;  Regesten  d.  Sodafabr.  46.  ^
Jahresber.  1864,  166;  A.  W.  Hofmann,  Exports  by  the  Jiines  1862  32.
3)  Brunner,  Dingl.  pol.  J.  176.  127;  Wagu.  Jahresber  1865,  234.  )  Lu  g  ,
Dingl.  pol.  J.  208,  137.  6 )  Lawrence  Smith,  Ghern.  News  27,  316,
Wagn.  Jahresb.  1873,  258.
            
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