Die Soda-Industrie.
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4. Aus Schwefelnatrium und Kohlensäure. Das schon viel
fachbeschriebene 4 ) und patentirte Verfahren der Zersetzung von Schwe
felnatrium (durch Reduction von Glaubersalz mit Coke im Flammofen
dargestellt) mit Kohlensäure, welches zuletzt von Gossage und von
Hunt 2 ) verbessert wurde, fand H. Fleck 3 ) in dem Shanks’schen
Etablissement zu St. Helens in versuchsweisem Betrieb. Das Schwefel-
natrium befand sich in Form nussgrosser Stücke in einem mit Thon
ausgeschlagenen verticalen Eisencylinder, der einen durchlöcherten
Boden besass, unterhalb welchem Kohlensäure nebst Wasserdampf von
2 Atm. Spannung eingeleitet wurde. Nach beendigter Einwirkung
(Na 2 S -j- H 2 0 -)- C0 2 = Na 2 C0 3 -f- II 2 S) laugte man die Masse
mit Wasser aus. — Der entweichende Schwefelwasserstoff kann mit
telst Eisenoxyd (Laming, Hill) zerstört, und aus dem erhaltenen
Schwefeleisen durch Rösten schweflige Säure erzeugt werden. Einen
zur Verbrennung des Schwefelwasserstoffs dienenden Apparat hat
E. Kopp 4 ) in seiner Abhandlung über die Verwerthung der Rück
stände von der Soda- und Chlorkalkfabrikation beschrieben.
Das Verfahren ist neuerdings wieder in England J. Young 5 ) so
wie Prache 6 ) patentirt worden. Ersterer erhitzt Schwefelnatrium
lösung in einem geschlossenen Kessel zum Sieden und leitet dann
Kohlensäure ein. Prache lässt Kohlensäure auf ein Gemisch von
Eisenhydroxyd und Schwefelnatriumlösung einwirken, und zerstört den
entweichenden Schwefelwasserstoff durch Einleiten in Wasser, in wel
chem wieder Eisenhydroxyd suspendirt ist.
W. Reissig 7 ) hat vorgeschlagen, das gewässerte Schwefelnatrium
Na 2 S -f- 9 H 2 0 zum Reinigen kohlensäurereicher Leuchtgase anzu
wenden und den entstehenden Schwefelwasserstoff mittelst Laming’-
scher Masse zu entfernen. Als Nebenproduct gewinnt man Soda.
5. Aus Schwefelnatrium und Ammmoniumcarbonat. La
ming 8 ) will das ammoniumcarbonathaltige Condensationswasser der Gas
fabriken zur Sodadarstellung verwenden, indem er Schwefelnatrium
damit übergiesst, und in einer Retorte bis zur Trockne erhitzt. Es
bleibt Soda zurück, während Ammoniumhydrosulfid sich verflüchtigt,
welches man mittelst porösem Eisenoxyd entschwefelt, und dann durch
Einleiten von Kohlensäure wieder in Carbonat überführt.
J ) Wagn. Begesten der Sodafabr. 37. 2 ) Gossage, Hunt. — A. W.
Hotmann, Beports by the Juries 1862, 32. 3 ) Bleck, "Wagn. Jahresber.
1862, 226. 4 ) Kopp, Bull. soc. chim. 1865. II. 335 u. 440. 6 ) Young,
Engl. Pat. v. 10. Octbr. 1872, Nr. 2989. 6 ) Prache, Bull. soc. cliim.
XX. 92; Wagn. Jahresber. 1873, 258. 7 ) Reissig, Journ. f. Gasbeleucht.
1865, 367; Wagn. Jahresber. 1865, .238. 8 ) Laming, Wagn. Jahresber.
1863, 713. •
Wiener Weltausstellung. III.
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