470 Gruppe III. Chemische Industrie.
Calciumcarbonat nicht ganz vollständig erfolgen, ausserdem namhafte
Mengen von unzersetztem Natriumsulfat und Nartriumsulfid.
Bei der Behandlung eines solchen Gemisches mit Wasser werden
die Natrium Verbindungen, besonders also Natriumcarbonat und Natrium
sulfat, aufgelöst, und es bleibt ein unlöslicher Rückstand, welcher
seiner Hauptmasse nach aus Calciumsulfid, Calciumhydrat und Calcium
carbonat besteht und welcher auch die in die ursprüngliche Schmelze
gelangten Verunreinigungen, d. h. Sand, Silicate, Kohlepartikelchen etc.,
enthält.
Dieser Rückstand, auf dpssen Unlöslichkeit und Unveränderlich
keit, so lange Wasser allein darauf einwirkt, die rasche Darstellbarkeit
verhältnissmässig reiner Sodalaugen beruht, ist lange Zeit für den
Fabrikanten ein lästiges Nebenproduct gewesen.
Da die Rückstände keinen Werth besitzen, so wurden sie in der
Nähe der Fabriken auf Haufen gestürzt, welche, da jede Tonne Soda
etwa l J / 2 Tonnen Rückstände liefert, mit der Zeit zu Bergen anwuchsen
und schon durch die in Anspruch genommene werthvolle Bodenfläche
den Fabrikanten zur Last fielen.
Diese Aufspeicherung bedingt jedoch noch andere Uebelstände von
ungleich grösserer Bedeutung. So unveränderlich die Rückstände sich
nämlich, wie schon bemerkt, bei der Einwirkung allein des Wassers
erweisen, ebenso leicht erleiden sie unter dem Einflüsse der Luft Zer
setzung. Als gasförmiges Product dieser Zersetzung tritt Schwefel
wasserstoff auf, welcher die Umgebung verpestet. Gleichzeitig werden
unter Schwefelabscheidung neben Gyps lösliche Calcium- und Natrium
salze der unterschwelligen und schwefligen Säure gebildet, der ab
geschiedene Schwefel vereinigt sich zum Theil mit unverändert geblie
benem Calciumsulfid zu löslichen Calciumpolysulfiden, deren wässerige
Auflösungen wiederum zum Lösen von freiem Schwefel besonders ge
eignet sind u. s f.
Wenn atmosphärische Niederschläge in die durch die Einwirkung
der Luft veränderten Rückstände eindringen, so werden die darin ent
haltenen löslichen Substanzen ausgelaugt und am Fusse der Haufen
fliesst eine gelbe übelriechende Flüssigkeit ab, welche mit den schon
genannten löslichen Schwefelverbindungen nahezu gesättigt ist. Be
nachbarte Flüsse, namentlich kleinere Bäche und zum Theil auch
Brunnen, werden hierdurch in bedenklicher Weise verunreinigt. Ver
dünnte Lösungen von Calciumpolysulfiden, von Schwefel in Calcium
polysulfidlaugen, von schweflig- und unterschwefligsauren Salzen
erleiden aber in Berührung mit der Luft nach kurzer Zeit eine aber
malige Zersetzung; Bach- oder Brunnenwasser, welches derartige Ver
bindungen enthält, entwickelt reichliche Mengen von Schwefelwasser
stoff, während erhebliche Quantitäten von Schwefel sich niederschlagen.
Die ursprünglich darin vorhandenen Salze der niederen Sauerstoff-