492
Gruppe III. Chemische Industrie.
düng und dem in Freiheit gesetzten Schwefelwasserstoff wird Calcium-
hyposulfit gebildet. Sobald schwellige Säure im Ueberschuss vor
handen ist, kann i'rithionat entstehen, welches hei dem späteren Hin
zufügen von Salzsäure, wie schon erwähnt, in Gyps und schweflige
Säure zerfallen wird.
I)a die angedeuteten Processe nie scharf nach einander verlaufen,
so ist klar, dass, wenn man ein Gemisch von Hyposulfiten und Poly
sulfiden plötzlich mit einer grösseren Menge Salzsäure versetzt und die
Flüssigkeit zugleich stark rührt, auch schweflige Säure und Schwefel
wasserstoff neben einander auftreten und sich eventuell unter Bildung
einer geringen Menge von Pentathionsäure zu Wasser und freiem
Schwefel zersetzen können. Die Pentathionsäure wird bei dem Er
hitzen und bei Gegenwart freier Salzsäure ebenfalls unter Abscheidung
von Schwefel in schweflige Säure und Schwefelsäure* zerfallen, d. h.
zur Bildung weiterer Mengen von Gyps Veranlassung geben.
Die angedeuteten Zersetzungen verdienen die grösste Beachtung;
sie zeigen, dass die Ausfüllung des Schwefels nach Mond, Guckel-
berger und Hofmann am besten und vollständigsten erfolgt, wenn
freie schweflige Säure in der bereits mit Salzsäure versetzten Lauge
genau in solcher Menge vorhanden ist, dass in der hinzugefügten frischen
Lauge alle Sulfo- und Sulfhydratverbindungen in Ilyposulfite über
geführt werden. Diese Hyposulfite sollten bei einer vollkommenen
Leitung des Processes durch eine neue Quantität Salzsäure gerade auf
hi freie schweflige Säure und Schwefel zersetzt werden, welche erstere
wiederum ausschliesslich zur Umwandlung von Sulfiden und Sulfhy-
draten in Hyposulfite dienen müsste u. s. f.
Da die Flüssigkeit, welche man fortlässt, neutral sein muss, so
wird mit derselben stets eine geringe Menge Schwefel in der Form
von-gelöstem Calciumhyposulfit verloren gehen.
Die soeben ausgesprochenen Ansichten werden auch durch die
Erfahrungen der Praktiker gestützt. Dieselben lassen stets einen
Theil der zersetzten FRissigkeit im Bottich zurück, fügen neue Mengen
von Salzsäure und danach von den Schwefellaugen hinzu und ver
meiden so jede Entwickelung von Schwefelwasserstoff oder schwefliger
Säure.
Bei Schaffner’s Process kann unter Umständen freie schwef
lige Säure auf vorhandene Hyposulfite einwirken und diese in Trithio-
nate verwandeln, welche bei dem späteren Zusatz von Salzsäure und
dem schliesslichen Erhitzen Gyps liefern werden.
Schaffner bestreitet zwar, dass das dem gefällten Schwefel bei-
gemengte Calciumsulfat dieser Quelle entstammt, er glaubt viel
mehr, dass es von der der Salzsäure beigemengten Schwefelsäure her
rührt. Stahlschmidt’s Versuche deuten jedoch entschieden auf die
erste Entstehungsweise hin und lassen kaum einen Zweifel darüber,