Ueber die Condensation der sauren Dampfe der Sodafabriken. 509
Die oben angeführte Bestimmungsweise nach Volumprocenten ist
eine nur annähernd genaue, ist aber gleichwohl nicht ohne Werth. Der
wichtigste Einwand gegen diese Methode ist der folgende: Eine Fabrik,
in welcher durch Zersetzung von Kochsalz täglich 100 Ctr. Salzsaure
entwickelt werden, könnte davon vielleicht 10 Ctr., das heisst 0 p. •
in die Luft senden, ohne dadurch erheblichen Schaden anzurichten, ln
einer anderen Fabrik werden täglich 100 Tonnen Salzsäure entbunden,
die Condensation sei weit vollständiger als in der ersten Fabrik man
condensire z. B. bis zu 99 p. C., so würde diese Fabrik in Wirklich
keit doch 1 Tonne Salzsäure, .also gerade doppelt so viel als die ers e
Fabrik in die Atmosphäre treten lassen. In dem angezogenen Beispiele
würde die Fabrik, welche den geringsten Schaden anrichtet gesetzlich
bestraft werden, die eigentliche Sünderin aber frei ausgehen. Aus diesem
Grunde möchte es sich in einem solchen Falle empfehlen, yor A ein
nach der nachtheiligen Einwirkung zu fragen, welche eine Fabrik auf
die Umgebung ausübt. Wenn die Atmosphäre irgend eines Ortes schon
über die Gebühr mit Säuredämpfen beladen ist, so wird es keinem
seiner Bewohner eine besondere Befriedigung gewähren, wenn er erfahrt,
dass diese oder jene Fabrik oder dass sämmtliche Fabriken weniger
als 5 p.C. oder vielleicht selbst einen noch geringeren Procentsatz von
der ursprünglich entwickelten Salzsäure in die Atmosphäre entsenden
Eine Bestimmung, die Alle, welche sich für den Gesundheitszustand
eines Ortes interessiren, befriedigen würde, wäre folgende: An einem
Orte, dessen Atmosphäre bereits so viel Säure enthalt, als man mog
licherweise ertragen kann, sollte man die Errichtung einer neuen
Fabrik, durch welche der Gehalt an Säure noch vermehrt werden wurde,
nicht eher gestattet, als bis die Menge der von den bereits vorhan
denen Fabriken in die Luft gesendeten Säure entsprechend vermindert
worden wäre. Wenn alsdann irgend Einer dennoch darauf bestände,
eine neue Fabrik zu begründen, so müsste er zuvor eine bessere C£u-
densationsmethode erfunden haben, welche auch die übrigen Fabriken
sich mit der Zeit an eignen würden.
Von grösster Bedeutung ist ferner der Concentrationsgrad der aus
tretenden sauren Gase, das heisst der grössere oder geringere Gehalt
an Säure in einem gegebenen Volum. Eine Fabrik welche 10 Ctr.
Salzsäure im Verhältniss von 10 Gran in einem Kubikfuss der austre,
tenden Gase in die Luft entweichen lässt, wird eine schädlichere Wir
kung ausüben, als eine andere, welche 100 Ctr. Salzsaure aber im
Verhältniss von 0'1 Gran in einem Kubikfuss in die Atmosphäre sendet.
Es ist bekannt, dass die Pflanzen im Verhältniss zu der Starke der mit
ihnen in Berührung kommenden Säure leiden und dass es in dieser Be
ziehung ganz gleichgültig ist, wie viel der Gesammtbetrag der
wickelten Säure ausmacht. , p ^
Diese Betrachtung führt zu einer anderen Methode der Piufu g